„S!STERS“ – „EUROVISION SONG CONTEST 2019“
Gast-Kommentar von Frank Ehrlicher: „Sisters Are Doin‘ It For Themselves!“!

Der ultimative Chart (Show) Experte nimmt auch diesmal kein Blatt vor den Mund …:

 

Der NDR wollte Sisters – der NDR bekam Sisters.

Alle Musikinteressierten Deutschlands konnten sich bewerben, um am deutschen ESC-Vorentscheid teilzunehmen. Gleichzeitig lud der NDR 20 internationale Songwriter in ein Songwriting Camp ein. Daraus sollte ein deutscher ESC-Beitrag werden. So weit, so (halbwegs) gut, zumindest (halbwegs) transparent.

In einer Parallelwelt verliebte man sich beim NDR dann in den Song „Sister“. Song war im Vorjahr beim „SUISA Songwriting Camp“ in Maur in der Schweiz entstanden. Da lag er in der Schublade, bis der NDR ihn fand (oder von einem internationalen Musikverlag angeboten bekam) und beschloss, der sei doch eigentlich viel besser als das, was die Autoren im deutschen Camp geschrieben haben. 

Dummerweise hatte man aber doch schon aus dem Artist- und Songwriting Camp sechs Interpreten und Songs ausgewählt und bekannt gegeben. 

Also suchte man noch schnell zwei Interpret-inn-en und stellte aus ihnen das Duo „S!sters“ (das Ausrufezeichen hatte man sich von P!nk geborgt) zusammen – und gab ihnen eine „Wild Card“. Dann starten halt sieben Acts beim Vorentscheid, statt sechs. Offensichtlich traute man beim NDR den Kreativleistungen des Camps recht wenig und setzte voll auf das Pferd „S!sters“.

Traditionell ist beim Vorentscheid die letzte Start-Nr. die erfolgversprechendste – erstens hallt die lange nach (danach kommt ja nichts mehr), zweitens hat der ein oder andere, dem Song 1, 2, 3 oder 4 gefallen hat, dann bereits abgeschaltet – nach dem letzten ist aber direkt das Voting. Funktionierte im Vorjahr bei Michael Schulte auch, also war die Nr. 7 für „S!sters“ reserviert. Dazu noch mit einem sehr ausladenden Einführungsfilm. Da sollte nichts schief gehen…

… wäre es aber fast – bei der Experten-Jury, die bis zur letzten Stimmabgabe Makelda vorne sah. Wie gut nur, dass am Schluss jemand seine Wertung abgab, der Carlotta, eine der beiden „S!sters“, seit Jahren kennt und mag: War er doch ihr Coach als sie 2014 bei „The Voice Kids“ gewann. Und der gab dann prompt die Höchstwertung an die „S!sters“ und überdurchschnittlich wenige Punkte an die bis dahin führende Makelda. So wenig, dass die „S!sters“ um genau einen Punkt gewannen… Zufälle gibt’s… oder: Puh, noch mal gut gegangen!

Die „Fan-Jury“ hatte man weniger gebrieft, aber beim Publikum zogen dann die eingeleiteten Maßnahmen von Start-Nr., Schnelldurchgang, Präsentation, Einbindung in die Show. Der NDR wollte Sisters, der NDR bekam Sisters.

Schade – und erneut schade, dass es keine wirkliche musikalische Vielfalt beim Vorentscheid gab. Kein Rock, kein Dance, kein Schlager, kein Folk, kein Rap … alles „radiotauglicher Pop“ – eben das, womit der NDR seit Jahren glaubt, beim ESC punkten zu können und auch mit Weltstars wie Ann Sophie, Jamie Lee, Levina – um nur einige ganz bekannte Namen zu nennen – in den vergangenen Jahren um letzte Plätze buhlte. Never change a non-working system!

Eins möchte ich klarstellen: Ich möchte damit ausdrücklich NICHT die Qualität der Songs von gestern Abend oder der Interpreten schmälern. Das waren handwerklich tolle Songs, die mir Spaß gemacht haben. Und es waren talentierte Künstler. 

Wer aber den ESC seit 40 Jahren verfolgt weiß, das ist beim ESC alles kein Argument und wer so agiert und einfach seine Meinung durchsetzen will, hat den ESC nach wie vor nicht verstanden.

Und zur Sicherheit: Ich unterstelle den Beteiligten in keiner Form „Manipulation“ im eigentlichen Sinne! Ich gehe davon aus, dass Televoting ist genau so abgegeben worden, wie verkündet und ich gehe auch nicht davon aus, dass Jury-Mitglieder bewusst in eine Richtung „gezwungen“ worden sind. Man hat nur im Vorfeld die Weichen eindeutig so gestellt, dass das Ergebnis so ausfiel, wie es offensichtlich ausfallen sollte – angefangen davon, eigentlich nur eine Musikrichtung (zeitgenössischer Radio-Pop) zuzulassen…

Sisters are doin‘ it for themselves!

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Textquelle: Facebook-Seite von Frank Erlacher (Textvorlage)

2 Kommentare
  1. GK 2 Monaten ago
    Reply

    100% richtig! Der Sisters-Song ist untauglich für einen guten Platz. Er ist ein Konstrukt aus ständig wechselnden Tempis, nicht Kommerziell genug für den Massengeschmack. Außerdem fand ich 6 der 7 Songs einfach viel zu kompliziert gestrickt. Es geht beim NDR scheinbar nach dem Motto: ja nicht zu Kommerziell. Die Showacts haben dann gezeigt wie es geht!

  2. Luis 2 Monaten ago
    Reply

    Wäre ein deutscher Gewinnertitel nicht schon zu teuer für die öffentlich rechtlichen ? Es kommt einem so vor. Zu Zeiten von Steffan Raab könnte es noch eine Pro7 Finanzbeteiligung gegeben haben. Aber heute, alles zu teuer aber man darf es selbstverständlich nicht sagen. Und von wegen Radiotauglich, welcher Radionsender kümmert sich um ESC Titel ? Die Musik vom ESC existiert in Deutschland doch nur innerhalb der TV Show, evtl. noch ein paar kleine Berichte in dritten Programmen.

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