JENNY FRANKHAUSER u.a.
Heute (30.11.2018) zum Thema „In der zweiten Reihe“ in der Talk-Show „NACHTCAFé“ zu Gast!

SWR

SWR Fernsehen, 22:00 Uhr – 23:30 Uhr! Moderation: Michael Steinbrecher!

 

 

Zu häufig schauen wir aus Gewohnheit nur auf diejenigen, die in der ersten Reihe stehen. Doch wer steht hinter ihnen – und warum? Freiwillig und aus Überzeugung oder gezwungenermaßen? Wann ist die zweite Reihe ein Erfolgsrezept, wann bedeutet sie ein Schattendasein?

Beruflich scheint die Hierarchie meist ganz klar: Der Chef steht in der ersten Reihe und trifft die Entscheidungen. Doch was ist mit denjenigen, die im Hintergrund zum Erfolg beitragen? Wird die Arbeit in der zweiten Reihe genügend wertgeschätzt? Dabei kann es eine perfekte Kombination sein: Beispielsweise, wenn einer auf der Bühne steht und die Menge mitreißen kann, während ein anderer für ihn die Reden, die Witze oder die Lieder schreibt. – Ein Team auf Augenhöhe, der eine kann nicht ohne den anderen.

Auch innerhalb der Familie kann es eine gefühlte oder tatsächliche Rangfolge geben. Zum Beispiel, wenn man sich immer an zweite Stelle hinter das vermeintliche „Lieblingskind“ gesetzt fühlt. Oder wenn Bruder oder Schwester durch eine schwere Erkrankung die ganze Aufmerksamkeit der Eltern benötigt.

Stellt sich nach einem Schicksalsschlag die Frage, wer die Nachfolge im Familienunternehmen antritt, dann muss oft jemand aus der zweiten Reihe ganz plötzlich und unfreiwillig den vordersten Platz einnehmen. Steht einem Kind die große Karriere bevor, dann sind es wiederum häufig die Eltern, die aus der zweiten Reihe das Talent fördern und alles andere hintenanstellen, damit der Traum des Sprösslings wahr werden kann.

Wovon hängt es ab, ob man sich wohlfühlt in der zweiten Reihe oder sich nichts sehnlicher wünscht als aus dem Schatten zu treten? Und: Kann man aus der zweiten Reihe manchmal sogar mehr bewegen als auf den vorderen Plätzen?

 

 

 

 

Die Gäste bei Michael Steinbrecher: 

 

 

Jenny Frankhauser wurde lange Zeit nur als „Schwester von“ wahrgenommen – sehr zu ihrem Leidwesen. „Keiner möchte in seinem eigenen Leben nicht an der ersten Stelle stehen“ sagt die Halbschwester von Daniela Katzenberger, die sich durch die ständigen Vergleiche mit dem berühmten Familienmitglied häufig unsichtbar fühlte.

 

Ebenso wenig sichtbar, aber dafür mit Freude und Stolz übte Werner Schempp seinen Beruf aus: „Ich habe mich wohl gefühlt in der Rolle des guten Zweiten.“ Als langjähriger Protokollchef im Staatsministerium Baden-Württemberg diente er unter fünf Ministerpräsidenten und organisierte für sie Staatsbesuche, Dienstreisen und Staatsbankette.

 

Ganz unerwartet fand sich Birgit Rodler in der ersten Reihe wieder. „Ich habe niemals mit dem Gedanken gespielt, Chefin zu werden.“ Doch als die Firma, bei der sie 25 Jahre als Maschinenstickerin angestellt war, Insolvenz anmelden musste, entschloss sie sich kurzerhand, den Handwerksbetrieb zu übernehmen – mit großem Erfolg.

 

Ludger Pistor blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Schauspieler. Sogar in zahlreichen großen Hollywood-Filmen war er zu sehen. – Allerdings fast immer in Nebenrollen. „Eitelkeit ist in der Kunst nicht angebracht“, sagt der Schauspieler, der sich selbst einmal scherzhaft als „Mr. Germany“ bezeichnete, weil er in vielen Filmen „den Deutschen“ spielen durfte.

 

Was es heißt, von Geburt an in der zweiten Reihe zu stehen, weiß Frauke Gonsior. Weil ihre Zwillingsschwester schwer körperlich behindert ist, wuchs sie als sogenanntes „Schattenkind“ auf. Ihr Alltag war durch die Behinderung ihrer Schwester geprägt, früh musste sie bei Haushalt und Pflege mithelfen. „Ich musste lernen, dass ich aus der zweiten Reihe auch einmal hervortreten darf.“

 

„Im Grunde ist es eine Aufgabe für uns alle, uns mit der zweiten Reihe zu begnügen“, davon ist der Psychotherapeut Dr. Mathias Jung überzeugt. Und er weiß auch, wovon es abhängt, ob man sich wohlfühlt in der zweiten Reihe oder sich nichts sehnlicher wünscht als aus dem Schatten zu treten.

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Textquelle: SWR Fernsehen (Textvorlage)

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