ELLA ENDLICH
„Im Vertrauen“: ihre neue CD ist wirklich gut!

„Ein Neustart beginnt zuerst mit dem Trennen von Dingen, die nicht mehr zu einem gehören“ …:

 

 

„Mal ganz im Vertrauen – das Jahr 2017 war ein Wendepunkt für mich. Als Künstlerin und als Mensch. Diese Wende hat mir zwar eine Liebe genommen, aber eine neue, ganz andere Liebe geschenkt. Aus ihr kommen all meine Texte, sie erfüllt all meine Lieder.“

In Ellas Blick liegen Ruhe und Entschlossenheit, wenn sie an ihrem Lieblingsplatz am Wannsee auf das abendstille Wasser schaut. „Jede Zäsur will dir etwas zeigen. Ich habe lange nach dem Leistungsprinzip gelebt. Jetzt habe ich meinen Fokus auf das Wesentliche gerichtet: das Wachstum der Seele.“ Ella tut gut. Ihre Tiefe, ihre Poesie, ihre Klugheit. Und ihre unbändige Lebenslust, die ansteckt, die Mut macht. Sie hat die seltene Gabe, zu berühren. Durch ihre Stimme und ihr zugewandtes Wesen. „Mich selbst berühren menschliche Begegnungen. Das ist der Stoff, aus dem meine Lieder sind.“

„Ein Neustart beginnt zuerst mit dem Trennen von Dingen, die nicht mehr zu einem gehören“.

Ella zieht die Konsequenzen mit einer Klarheit und einem Mut, die sie selbst erstaunen: Sie lässt die Verträge mit einem Majorlabel und ihrem alten Management auslaufen, beendet schmerzvoll ihre Beziehung und gründet ihr eigenes Label UNENDLICH MUSIK. Dafür gewinnt sie Mitstreiter, die ihren Traum teilen: freier, unabhängiger Musik machen zu können, um etwas „Echtes“ entstehen zu lassen. „Nachdem mir in den letzten 20 Jahren viele Menschen wichtige Entscheidungen abgenommen haben treffe ich sie heute selbst“.

Berlin Kreuzberg und seine Vielfalt hat sie über sechs Jahre in sich aufgesogen, in einer kunterbunten WG mit Travestie-Künstlern gelebt und sich dem für Berlin typischen Sog der Nacht hingegeben. Momentan liebt sie es aber taghell. So kann es sein, dass man sie in ihrem Sommer-Mobil, einem alten VW-Käfer, durch ihr neues Lieblingsgebiet rauschen sieht: Berlin Wannsee. Und so sind es die vielen Entscheidungen, die einen Neuanfang ausmachen. „In alles, was ich tue fließt alles ein, was ich bisher getan habe.“ Und das ist viel. In ihrem Leben stecken gleich mehrere Künstler-Karrieren. Mit ihren 34 Jahren kann Ella Endlich wie kaum eine andere bereits auf 20 bewegte Bühnenjahrezurückblicken: Teenie-Star mit 14, Absolventin der Bayerischen Theaterakademie August Everding, Schlager-Prinzessin und gefeierter Gast der großen Samstagabend-Shows. Ihren Namen verbinden viele mit der märchenhaften Aschenbrödel-Ballade „Küss mich, halt mich, lieb mich!“. Das war 2009, ihr Durchbruch. Doch Schlager-Star – der Begriff greift zu kurz.

Das Mitgefühl, mit dem Ella all ihre Erfahrungen teilt, brachte ihr viele Sympathiepunkte ein bei ihrem jüngsten TV-Job: als Jurorin bei „DSDS“ für RTL. „Es war wie eine Versöhnung mit meiner eigenen Geschichte. Der Traum, den diese jungen Menschen haben, ist auch mein Traum gewesen. Ich möchte ihnen Kraft geben und ein Gespür dafür, wer sie sind und was sie sein können. Das ist ganz entscheidend bei meinen neuen Schritten. Es ist, als schließe sich ein Kreis.“

Für „IM VERTRAUEN“, Ella Endlichs erstes Album in kompletter Eigenregie, hat sie nur namhafte Produzenten engagiert, die bereits mit DJ Bobo, Andrea Berg, Yvonne Catterfeld, Tim Bendzko, Lena und Sarah Connor gearbeitet haben. Um aber die Richtigen zu finden, mit denen das Gefühl stimmt, hat sie sich Zeit gelassen. „Es war wie ein Poetry-Slam, wenn ich mit meinen Texten ins Studio kam. Ich trug sie vor, und einer nach dem Anderen fing an, Musik dazu zu spielen.“ So ist ein Sound entstanden, der Poesie und Humor atmet, Leichtigkeit und Lebenslust versprüht. Wie ein Sommerabend am See. In ihren Texten hat Ella alles Banale und Phrasenhafte weggelassen und ist auf Kurs in ein ganz neues Fahrwasser – auch persönlich.

Wie ein offenes, wohltuendes Gespräch gestaltet Ella Endlich die Songs ihres neuen Albums: „Komm ich lern‘ schwimmen und Du lernst fliegen, so können wir die Angst besiegen.“ Von Ängsten kann sie ein Lied singen (Schwimmen und Fliegen).

Und von deren Überwindung. Ihre Augen glänzen in der Abendsonne des Wannsees, wo sie so gerne sitzt. Übergangslos flicht sie Zitat-Zeilen in die Unterhaltung ein, denn es sind ihre Texte, ihre Themen. Das Gespräch wird zum Tanz der Worte, die Lieder zum Leben. Beides ist eins.

“So wie ein Indianer weiß, dass die Richtung stimmt, kannst Du jetzt ohne Kompass gehen ((Lauf Dich frei))“. Im Vertrauen erzählt Ellas persönliche Geschichten. Auch von sich selbst. Aber nie selbstbezüglich. „Geschichten vereinen uns. Denn jeder kann sich im Anderen finden. Das sind die wertvollsten Momente im Leben, in denen Du spürst: Du bist nicht allein.“ So erzählt sie von der Trennung von ihrem Vater nach dessen Flucht aus der DDR, von der Wiedervereinigung der Familie als die Mauer fiel, von Mut, Neubeginn und Anteilnahme: “Wie war ́s bei Dir?“ fragt sie im Refrain des Album-Openers, der den programmatischen Titel „Geschichten“ trägt.

„Für gute Texte braucht es echte Schlüsselmomente“. Ein solcher Moment war ihre Begegnung mit einem Löwen in Afrika. „Er stand 2 Meter vor mir – majestätisch! Ich hatte Angst, wollte wegrennen, doch ich konnte nicht. So gebannt war ich und gleichermaßen fasziniert. Mir kamen die Tränen: Welche Schönheit, welche Pracht, welche Würde!

Mit welcher Selbstverständlichkeit er all das ausstrahlte. Warum, fragte ich mich, fällt uns dieses Selbstverständnis so schwer? Warum erkennen wir nicht das Besondere, das Schöne in uns? Der Löwe hat mir gezeigt, wie man mit Würde und Selbstvertrauen zu sich stehen kann. Dieses positive Selbstwertgefühl beschreibe ich in ‚Gut gemacht‘. Wir sollten uns das viel öfter sagen.“

Ella Endlich hat sich einen Plan gemacht, womit sie ihre Zeit verbringen möchte: nämlich nur noch mit Dingen, die sie liebt. „Das ist etwas ganz Elementares, wenn Du nicht gegen etwas arbeitest, sondern voller Hingabe für etwas bist, nicht vor etwas wegläufst, sondern alles annimmst was ist.“

Ihr Song „Nichts tut mehr weh“ erzählt davon. „Die meisten Menschen können nicht verzeihen – weder sich selbst, noch Anderen. Ich finde das schade, aber ich glaube an die Möglichkeit, mit Musik einen neuen und befreienden Gedanken zu pflanzen.“ Es wundert daher nicht, dass Ella künftig auch gemeinnützige Projekte der Stiftung FAIRPLAY unterstützt, wie etwa „Wagner für Kinder“ gemeinsam mit den Bayreuther Festspielen. „Ich möchte etwas zurückgeben und meinen Beitrag leisten, dass wir über Fairness und Achtsamkeit im Leben nachdenken.“ So lautet es in ihrem Song, den sie der Stiftung gewidmet hat: „Vorn, wir sind vorn. Doch wir umarmen auch Verlierer, man sieht sich nämlich immer wieder …“ ((„Vorn“)).

Ihr Album klingt erwachsen und gereift. Ihre Stimme füllt jedes Wort mit Gefühl. Kraftvoll, jubelnd, manchmal leise und gebrochen. Wie eine vertraute Liebkosung meint man, sie sanft auf der Haut zu spüren. Oder ist es der warme Abendwind, der hinüber weht vom Ufer der Havel? Zart wirkt Ella, wenn sie dort abends sitzt. Und so stark und ruhend in sich. „Mein Album will sagen: Ich fühle dich. Du fühlst mich. Lass uns gemeinsam gehen. Lass uns gemeinsam fallen. Im Vertrauen.“

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