PETER SEBASTIAN mit JÜRGEN DREWS, MICHAEL HOLM, ROSANNA ROCCI u.a.
Event-Bericht (Autor: Holger Stürenburg): "29. Starpyramide“ in Hamburg-Harburg, Friedrich-Ebert-Halle vom Sonntag, 07.12.2014, 16.00 Uhr!

VORSICHT: Der Bericht hat Überlänge (, wie die Veranstaltung selbst auch)…! 

Seit 29 Jahre ist es eine gute Tradition, dass wenige Wochen vor Weihnachten, am ersten oder zweiten Adventssonntag, mag das Wetter draußen noch so kühl, nass und ungemütlich sein, die Bühne der Friedrich-Ebert-Halle zu Hamburg-Harburg sprichwörtlich brennt. Der in ebenjenem, südlich der Elbe gelegenen Stadtteil von Hamburg ansässige Entertainer, Sänger und Produzent PETER SEBASTIAN, lädt ein ums andere Jahr zur heißbegehrten „Starpyramide“. Und nicht nur ca. 1100 Schlagerfans aus ganz Norddeutschland lassen sich ein ums andere Mal das vierstündige Showfeuerwerk nicht entgehen; auch unzählige Firmen, Unternehmen, Klein- und Mittelbetriebe ebenso, wie Marktriesen, möchten es nicht versäumen, ihre Abgesandten, meist mit hohen Spendenschecks ausstaffiert, in die Friedrich-Ebert-Halle zu entsenden.

Denn die 29. „Starpyramide“ steht nicht nur für einen liebreizenden, bunten Shownachmittag mit viel Spaß und noch mehr ansprechender, meist allseits geläufiger Schlagermusik, sondern auch und hauptsächlich für einen guten Zweck. Peter Sebastian ist ja nicht nur ein Sänger und Schreiber toller, anspruchsvoller deutschsprachiger Popsongs, die gerade in der letzten Zeit nicht selten mit klassischen Schlagermerkmalen brachen und sich vielfältigen Stileinflüssen öffneten, sondern er ist zusätzlich äußerst aktiv engagiert in der Hilfe und Unterstützung von Kindern, die unverschuldet zum Opfer eines Verkehrsunfalls wurden und häufig schwere Folgeschäden davontragen. Um diesen Kindern z.B. fröhliche, aufbauende Ausflüge, Attraktionen und allgemeine Lebenshilfe zuteilwerden lassen zu können, ist er seit 1985 – also vor genau 29 Jahren – offizieller Botschafter des „Gemeinnützige Jugendwerk unfallgeschädigte Kinder in der SV Polizei Hamburg von 1920 e.V.“. Hierfür sammelt er mehrfach pro Jahr, meist herzlich assistiert von treuen Freunden aus Unterhaltung, Kultur, Politik und Wirtschaft, Spendengelder, mit denen das „Jugendwerk“ schwerverletzten jungen Menschen den Weg zurück ins Leben erleichtern möchte.

So stellt die „Starpyramide“ jährlich eine große Spendengala dar, im Rahmen derer die einzelnen geladenen Künstler ihre um die 20 Minuten langen Auftritten gagenfrei, nur gegen eine Aufwandsentschädigung, absolvieren, und sich zudem viele Vertreter der Wirtschaft mit gut dotierten Spendenschecks auf der Showbühne einfinden, wobei selbstverständlich auch die Besucher der Schlagerveranstaltung eingeladen sind, den einen oder anderen Betrag in die umhergereichten Sammeltöpfe einzuwerfen – was auch 2014 wiederum von seinem außerordentlichen Erfolg gekrönt war.

Am 2. Adventssonntag, dem 07. Dezember 2014, herrschte in Harburg/Heimfeld das obligatorische Hamburger Schmuddelwetter. Doch kaum hatte man die Friedrich-Ebert-Halle betreten, war alles andere als eine trübe oder verregnete Stimmung zu verspüren. Als ich zusammen mit einem alten Schulfreund, mit dem ich 2015 25 Jahre lang befreundet bin, und der mich schon früher öfter auf Konzerte begleitet hatte, gegen 15.00 Uhr das Veranstaltungsgebäude betrat, wartete dort schon alles gebannt auf die fast auf den Punkt genau eine Stunde später beginnende „Starpyramide“. Schnell das VIP-Bändchen umgebunden, den Mantel abgelegt und sogleich den Maestro des Nachmittags, „Mr. Gute Laune“ Peter Sebastian, inbrünstig begrüßt. Ein paar Instruktionen für den Ablauf des Stelldicheins erhalten, einige von Peters Weggefährten – so den hitparadenerprobten 90er-Jahre-Frauenschwarm Gino d’Oro, der unter seinem bürgerlichen Namen Fabrizio Barile für die Regie der „Starpyramide“ verantwortlich zeichnete, Peters junge musikalische Entdeckung, Freund und Förderkreis Event-Allrounder Mike Knorr, seine beste Freundin und Kostümberaterin Julia Silberbauer… und schon bald hieß es: die Sitzplätze einnehmen. Peter hatte meinem besten Freund und mir netterweise zwei Plätze im Parkett vermittelt, von denen man alles wunderbar beobachten konnte.

Um Punkt 16.00 Uhr gingen die Lichter aus. Ein Nikolausdarsteller (Rainer Kesting), im roten Pelzmantel bekleidet, mit weißem Rauschebart ausgestattet, setzte sich auf einen eigens für ihn vorbereiteten Thron – dort verblieb er während der gesamten Chose und hatte nichts zu tun, außer sich direkt vor seinen Augen all die schönen Darbietungen zu Gemüte zu führen. Aus dem Hintergrund ertönte die Stimme von NDR-Moderatorenlegende Carlo von Tiedemann, die den Conférencier des Abends, Erfinder der „Starpyramide“ und Gründer des „Förderkreises zugunsten unfallgeschädigter Kinder e.V.“, Peter Sebastian ad Personam ankündigte und zu seinem Auftritt rief. Schon gleich brandete tosender Jubel auf, als Peter seine ureigene ‚Erkennungsmelodie‘ „Du schwarzer Zigeuner“ – mit einer Coverversion dieses alten Vico-Torriani-Evergreens feierte Peter 1989 einen fundamentalen Radiohit, der ihn bis heute begleitet -, diesmal in einer aufgepeppten und im Tempo angezogenen Discofox-Variante, machtvoll und strahlend intonierte – wobei die ersten Fans schon überaus eifrig begannen, mitzusingen.

Nach kurzer Begrüßung, präsentierte Peter sogleich Titel Numero Zwei, der da hieß „Ich wollte Leben ohne dich“. Der eingängige, wehende Romantikschlager war ursprünglich im Jahr 2008 entstanden und wurde nun sechs Jahre später vom Erschaffer in einem stärker rhythmisierten Reloaded-Klanggewand vorgetragen.

Nun war es an der Zeit für die ersten Blumensträuße, die der Gründervater der „Starpyramide“ zu allererst seiner  87jährigen Mutter, sowie zwei Freunden aus Harburg, Harald und Marie, aushändigte, die trotz, wie Peter erzählte, vieler Missstände, Irrungen und Wirrungen in ihrem Leben hatten, dieses Jahr aber glücklich und zufrieden ihren 50. Hochzeitstag feiern konnten.

Es folgte die romantisch-liebevolle Danksagung „Danke für deine Liebe“, bevor Peter Sebastian nicht ohne Stolz anmerkte, dass es seiner allerneueste Single „Tausend Träume später“, trotz aller Schwierigkeiten, die heutzutage für einen neuproduzierten Schlagertitel bestehen, überhaupt im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk zur Kenntnis genommen zu werden, tatsächlich vergönnt war, in dieser Woche den sagenhaften Rang 40 der Formatradiocharts ‚Konservativ‘ zu erklimmen. Voller Freude darüber, bot er nun also diesen sanft-verträumten Synthipop-Schleicher dar, der vor allem durch die treffliche Nutzung einer sog. Duduk-Flöte, einer armenischen Klein-Oboe, einen ganz spezifischen, mystisch-märchenhaften Tausend-und-eine-Nacht-Charme ausstrahlt, und bei seiner Live-Aufführung von feengleich über die Bühne schwebenden Balletttänzerinnen eines Tanzensembles der Harburger „Ballettschule Baudach“ visuell untermalt wurde.

Nach der Darbietung seines wiederum euphorisch aufgenommenen, brandaktuellen Hitparadenstürmers, rief Peter den Co-Moderator des Abends, Carlo von Tiedemann, auf die Bühne, der vor allem bei uns im Norden, aber auch bundesweit, seit Ewigkeiten als unschlagbares Kultidol gilt, alleine schon wegen seiner jahrzehntelangen Moderationstätigkeit bei der „Aktuellen Schaubude“ des NDR, die der 71jährige von 1977 bis 1988 und von 1997 bis 2004 Woche für Woche über den Bildschirm jagte. Carlo, der seinem alten Freund Peter schon im Sommer diesen Jahres bei dessen Würstchen-Verkaufsaktion zugunsten des „Förderkreises“ auf dem Hamburger „Alstervergnügen“ erfolgreich seine Gunst erwiesen hatte, kündigte nun den ersten Show-Act des Nachmittags an. Dabei handelte es sich um den Hannoveraner Comedian und Pantomimen Niels Weberling, genannt „Herr Niels“, der im Zuge seiner ca. 12minütigen Einlage eine gekonnte Mischung aus Visual Comedy, Pantomime, Clownerie und Tanz offerierte, sich selbst als eine Art dauerhaft und scheinbar grenzenlos beweglicher „Gummimensch“ zeigte, der seine Gliedmaßen wild durch die Lüfte schleuderte, an imaginären Pfählen, Tresen und Wänden zu lehnen schien – was einen derart echten und authentischen Eindruck vermittelte, dass man meinen konnte, der junge Familienvater dreier Kinder flegelte sich z.B. tatsächlich müde und erschlafft an einer steilen Wand – obwohl beim besten Willen keine solche auf der Bühne vorhanden war. Da der sympathische Akrobat am selben Abend noch einen Auftritt in der „Schmidts Wintergala“ im St. Paulianer Theater „Schmidts Tivoli“ auf dem Zettel hatte, war er der erste Protagonist am Nachmittag des 07. Dezember 2014, der mit seinen witzig-selbstironischen Körperverrenkungen und im Zeitlupentempo dargebotenen Bewegungsabläufen für langanhaltenden Applaus sorgte.

Daran anschließend erstürmte, wiederrum von Carlo angekündigt, das italienische Energiebündel ROSANNA ROCCI die Bühne der Friedrich-Ebert-Halle. Dass der weiterhin auf seinem Thron dick verpackt ausharrende Santa Claus in Anbetracht der temperamentvoll umherhüpfenden, bildhübschen 46jährigen auf seinem gemütlichen Feudalsitz verbleiben konnte, verwundert schon etwas. Denn Rosanna gelang es vom ersten Augenblick an, die 1100 anwesenden Schlagerfans umgehend zu lautem Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Los ging‘s mit ihrer akkordeon-verzierten 2012er-Single „Ole Ola – Heißer als Fieber“. Mit diesem so feurig-erotischen, wie mediterran-nächtlichen Dancepop-Hymnus leitete die gebürtige Schweizerin, in die in den italienischen Abruzzen aufwuchs, ihr durchwegs mitreißendes, munteres und (trotz der Vorweihnachtskälte) wahrhaftig schweißtreibend-sommerliches Programm ein. Es folgte eine rasante, aufgedonnerte Disco-Version der wehmütigen 1975er-Italo-Schnulze „Tornero – Tausend Träume weit“ (im Original von „I Santo California“) und dann ging’s soundtechnisch ab, mitten in die mittleren 80er Jahre hinein, als sich Italo-Disco, New Romantic, Synthipop und Discoschlager guten Tag sagten und sich, Bohlen und Co. sei Dank, zu die zweite Dekadenhälfte nicht wegzudenkendem Euro-Disco-Beat vermengten. Rosannas soeben veröffentlichte neue Single „Lo Vorrai“ ist stilistisch angesiedelt irgendwo zwischen manch „Modern Talking“/“C.C. Catch“-Klangvariation, der einen oder anderen schwülstigen Romantic-Pop-Nummer von „Bad Boys Blue“ und all denn traumhaften Italo-Eintagsfliegen jener Tage, von Valerie Dore bis „Fun Fun“, und brachte von einem Moment auf den nächsten gleißend-fetzig die Friedrich-Ebert-Halle zum Beben.

Der Uslarer Topproduzent Jörg Lamster, der auch regelmäßig mit Peter Sebastian zusammenarbeitet und in dessen WetCat Studio zig Produktionen für Peters Label TOI TOI TOI Records entstehen, verpasste dem 2012er-Titel „Perque“ einen grandiosen, brachial dancefloor-lastigen Neumix, den die quirlige Blondine am II. Adventssonntag ebenfalls erstmals dem Hamburger Publikum vorstellte. Für den Höhepunkt von Rosannas so hitzigem, wie kurzweiligen Set erhoben sich die Zuschauer in der Halle sekundenschnell von ihren Sitzen – als eine heftige, knallige Disco-Pop-Version von Rita Pavones 1968er-Abschiedsdrama „Arrividerci Hans“ nicht nur aus Rosannas Mund launig kraftvoll erklang, sondern auch von zig begeisterten Anwesenden so phonstark mitgesungen wurde, dass die liebenswerte Italo-Disco-Lady sogar noch mit einer Zugabe aufwartete. Sie erzählte, dass sie in ihrer Kindheit sehr katholisch-religiös erzogen worden sei, weshalb sie die Meinung verträte, dass der Glaube sprichwörtlich Berge versetzen könne und zudem jeder von uns wohl einen Schutzengel sein Eigen nennt; nachdenkliche Überlegungen, die sie mit einer klassischen Italo-Pop-Ballade betulich, beschloss.

Nach der umjubelten Aufwartung von Rosanna Rocci, berichtete Peter Sebastian zunächst einwenig von seiner nimmermüden Tätigkeit als Vorsitzender seines „Förderkreises“, als plötzlich Carlo von Tiedemann jubilierend auf die Bühne sprang und erfreut ausrief, der zuletzt nicht unbedingt vom Glück des Torschießens beseelte HSV liege beim Spiel gegen Mainz 05 im Volksparkstadion 2:0 in Führung. Diese Sensationsmeldung, mit der kaum ein Beobachter gerechnet hatte, bot eine gute Überleitung zur Vorstellung ein paar der Großspender für die unfallgeschädigten Kinder, sowie natürlich des Schirmherrn der 2014er-„Starpyramide“, des Präses der Hamburger Behörde für Inneres und Sport, kurz Innensenator, Michael Neumann (SPD).

Zu den vom Band eingespielten Klängen von „Jingle Bells“, betraten nun u.a. Abteilungsdirektor Dieter Miloschik von der Sparda Bank Hamburg (5.000.- Euro), Sven Angerer, Besitzer der in Rahlstedt und Berne vertretenen „Fahrschule Angerer“ (1.500.- Euro), oder Edelgard Schlitzkus, die mittels vieler fröhlicher Aktionen in ihrer Heimatstadt Grube in Holstein 3.000.- Euro gesammelt, hat die Bühne der Friedrich-Ebert-Halle. Alle Spender erzählten von ihren Tätigkeiten, ihren Sammelaktionen für Peter Sebastians Verein, reichten schlussendlich ihre Spendensummen in Form großer Schecks dar und wurden zum Dank dafür von der amtierenden Miss Schleswig-Holstein Alicia Melina reihenweise gebusselt, die übrigens noch, stellvertretend für Jörn Sörensen vom Handelshof, einen Scheck in Höhe von 2.500.- Euro überreichte. Besonders stolz zeigte sich Jens Timm, der Bezirksmanager der Supermarktkette „REWE“, der einen Spendenscheck von sage und schreibe 26.262,60 Euro dem glücklichen Peter Sebastian überreichen konnte. Als Höhepunkt bat Peter sogar den alteingesessenen Hanseatischen Kaufmann Albert Darboven, seines Zeichens Geschäftsführer und Inhaber des Kaffeehandelshauses J.J. Darboven GmbH & Co. KG, mit zu den auf der Bühne versammelten Unternehmern, der sich ebenfalls seit vielen, vielen Jahren als Geschäftsmann und Freund mit dem „Jugendwerk & Förderkreis“ verbunden fühlt. Dirk Barthel, Inhaber des in Stellingen ansässigen Industriezulieferers „Barthel Armaturen“, hatte auch noch 650.- Euro im Gepäck; das Ehepaar Rolf und Karla Bachem hatte ganze 170.- Euro alleine durch sammeln von Pfandflaschen eintreiben können.

Daraufhin war eine Stand-Up-Comedy-Show des gebürtigen Briten DON CLARKE an der Reihe der vor wenigen Jahrzehnten nach Deutschland gekommen war. Er fühlte sich dort bald heimisch und sich seitdem damit feiert, auf der Bühne eigentlich gar nichts zu tun, höchstens einwenig von der einen Seite zur anderen zu laufen – dies aber unendlich graziös und herausragend hinzubekommen, dass er letztlich seit langem zu den allerbesten Stillvertretern des Nichtstuns gerechnet werden müsse. Auch dieses wort- und zotenreiche Spektakel, das im Übrigen von der überwältigenden Mehrheit in der Halle mit größter Verzückung aufgenommen worden war, erwies sich alles Renner – wobei es manchmal auch nicht schadet, sich selbst zur Minderheit zu rechnen, denn dies macht die Demokratie ja erst so richtig interessant.

Kurz nach einem von Peter, Carlo und Miss Alicia detailliert erläuterten „Eintrittskarten-Sponsoren-Gewinnspiel“, war nun eine monumentale Zeitreise in die späten 70er und frühen 80er Jahre, genau gesagt: in die Hochphase des glitzernden Discofeelings, angesagt: Der gebürtige Hertener und Wahl-Rosenheimer PETER KENT betrat nun die ‚Bretter, die die Welt bedeuten‘ und legte sich sogleich ins Zeug, uns mittels des flotten Discoschlagers „Stop’n’go“, im Frühjahr 1981 Rang 13 in den deutschen Singlecharts und ein immer wieder gern gehörter Radiohit, temporär um mehr als drei Jahrzehnte zurückzuversetzen. Der Mann mit der Silberlocke, der nicht nur selbst als Interpret luftig-leichter Disco-Pop-Melangen manch Hitparadenstürmer hatte feiern können, sondern gleichermaßen als Produzent für die Einstiegsmeriten z.B. der „Spider Murphy Gang“ oder von „Geier Sturzflug“ die Verantwortung trug, hatte seine Hitschatulle nun weit geöffnet und aus derselben ertönte als nächstes der betont rockige Shuffle-Ohrwurm „You’re all I need“, im Sommer 1980 Rang 15 in den Singlehitparaden. Nun stellte Peter K. seine aktuelle Weihnachtssingle „Joybells“ vor, mit der er, wie er kryptisch anvisierte, in den kommenden Weihnachtstagen sogar in einer namhaften TV-Show zu Gast sein zu können. Als sich Anfang der 80er Jahre die grellbunte Discowelle der Vorgängerdekade überall auf der Welt ihrem Ende entgegenneigte und sein Vertrag bei EMI ausgelaufen war, beschloss der einstige Musicaldarsteller aus dem Ruhrgebiet 1986, nach kurzer Schaffenspause, gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Luisa Fernandez, eine spanisch gesungenen Ausformung von Euro-Disco-Klangspielereien zu kreieren, die in Deutschland, aber noch vielmehr in Österreich, bald darauf enorm gefragt sein sollte. Ein kleiner Zusammenschnitt – bestehend u.a. aus den seinerzeit im Duo geschaffenen Tanzflächenfüllern „Solo per ti“ (1986), „Con Esparanza“ (1987) oder „Y Tu“ (1989) – erinnerte an jene Karrierephase des Peter Kent, bevor dieser mittels seines sommerlichen Gute-Laune-Machers „It’s a real good Feeling“, mit dem er zwischen Ostern und Pfingsten 1980 wochenlang den ersten Rang der deutschen „Media Control“ für sich vereinnahmte, seinen Beitrag zur „Starpyramide“ locker-flockig und vom Publikum vollmundig supportiert beendete.

Von diesem wirklich guten Gefühl durchzogen, gingen wir nun in die ca. 40minütige Pause. Es gab wohlschmeckende Leckereien am Catering-Bereich – Würstchen mit Senf, Gulaschsuppe, liebevoll belegte Brot, kleine Frikadellen, Softdrinks und den einen oder anderen Sekt-Aperitif. Im Foyer stellten sich natürlich der „Förderkreis“ selbst, aber auch einige Sponsoren mittels Informationsständen vor. Der Verfasser dieser Zeilen führte ein aufgewecktes Gespräch mit Wirbelwind Rosanna Rocci, die fleißig Autogramme schrieb. Ein Fernsehteam befragte anwesende Musikkenner über ihre Meinung zu der traurigen Gegebenheit, dass im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkspektrum kaum noch Radiostationen vorzufinden sind, die nicht nur Hits und Oldies überwiegend internationaler Herkunft auf der Sendeliste notieren, sondern eben auch und gerade dem deutschen Schlager – und hier insbesondere den unzähligen interessanten Neuproduktionen dieses Genres – die eine oder andere Chance auf Bekanntheitssteigerung einzuräumen bereit sind. Spannende Erlebnisse und interessante Gespräche, ließen den Zeitraum der Pause flink vorüberziehen, bis die Hallenlichter erneut gedimmt wurden.

Wiederum erschienen nun die ca. 15 fünf bis 17jährigen Mädchen und Jungs des Tanzensembles der „Ballettschule Baudach“ auf der Bühne und präsentierten eine farbenfrohe, künstlerisch immens hochwertige Choreographie, fußend auf einem harsch rhythmisierten Hit-Mix der schwäbischen Deutschrockband „PUR“. Nun war es allerdings an der Zeit, dass Peter Sebastian selbst sein diesjähriges Weihnachtsschmankerl gesanglich uraufführte. Es muss kein Geheimnis bleiben, dass es Peter und seinem Team innerhalb von nur kürzester Zeit kreativ und intelligent gelungen ist, dem altehrwürdigen Christmas-Standard „Winter Wonderland“, mit deutschem Text als „Weißer Winterwald“, ein fast gänzlich neuartiges, für einheimische Verhältnisse vor allem ungewohnt rockiges Ambiente zu verleihen. Ein weiteres Mal stießen nun die Mädels und Jungs der „Ballettschule Baudach“ hinzu und untermalten Peters so intensive, wie faszinierende Auslegung des „Weißen Winterwaldes“ mit einem kessen, munteren Tanz im weihnachtlicher Aufmachung.

Als nächster Showact war die gebürtige Berlinerin IKENNA AMAECHI an der Reihe. Der hochtalentierte Travestie-Star mit nigerianischen Vorfahren ist bereits seit unzähligen Jahren weltweit als schier elektrisierende Withney-Houston-Imitatorin unterwegs. In dieser Funktion hatte Ikenna im Frühsommer diesen Jahres einen ersten, nur für sie geschriebenen Song auf Peter Sebastians Label TOI TOI TOI RECORDS veröffentlicht, so dass sie sich als Dank dafür bereit erklärte, die Zuschauer in der Friedrich-Ebert-Halle mit ihrer in die höchsten Höhen ausschweifenden Fünf-Oktaven-Stimme  zu verzaubern. Als Eröffner diente das zunächst 1992 von „Eurythmics“-Chanteuse Annie Lennox ersonnene und aufgenommene, später, genau gesagt 1996, von Ikenna-Idol Withney für den Soundtrack zum US-Liebesfilm „Rendezvous mit einem Engel“ übernommene, luftig-leichte, radikal seelenvolle Beinahe-Gospel-Weihelied „Step by Step“, woraufhin der großgewachsene Verkleidungs- und Stimmkünstler kurz ein paar Takte von Withneys vorantreibendem 1986er-Klassiker „How will I know“ – sozusagen auf Zuruf aus dem Auditorium – a-Capella ansang, um sich gleich darauf leidenschaftlich und grazil der zuckersüßen 1988er-R’n’B-Ballade „Where do broken Hearts go“ gesanglich anzunehmen.

„Finally – The Search is over“ nennt sich Ikennas erste eigene Maxi-CD, die auf außerordentlich attraktive Weise Frank-Farian-beeinflussten Spät-70er-Disco-Frohsinn mit coolem Soul-Pop-Flair der mittleren 80er vereint, und deren flammende Livepräsentation durch die sich stets selbstironisch und elegant gerierende Interpretin nahezu sämtliche Veranstaltungsgäste zu stehenden Ovationen und nicht enden wollendem Applaus anregte. Bei der Aufführung des monströsen Soul-Schmachters „One Moment in Time“, den Songwriter-Ass Albert Hammond 1988 als Erkennungshymne der Olympischen Sommerspiele im südkoreanischen Seoul für Withney Houston geschrieben hatte, war sogar das überwiegend großbürgerliche, arrivierte Publikum dazu angehalten, im Refrain einen brausenden Chorgesang einzustreuen, was die perfekte Entertainern Ikenna Amaechi mit ihrer sympathischen Art fabelhaft zu inszenieren wusste,

Nun gab es in der Friedrich Ebert Halle keinerlei Halten mehr und es wurde, obschon die „Starpyramide 2014“, aufgrund des übermäßigen Enthusiasmus auf den Plätzen und in den Rängen, bereits um über eine halbe Stunde überzogen worden war, seitens der glühenden Hörerschaft eine Zugabe von Ikenna erklatscht. Diese hieß „I wanna dance with somebody“, hatte im Mai 1987 für Ikennas leuchtendes Vorbild einen fast globalen Nummer-Eins-Reißer beschert, und wurde nun von ihrer Nachahmerin in höchster Perfektion und Professionalität und doch mit genügend Eigenständigkeit und Authentizität von der ersten Sekunde an glaubwürdig nachempfunden.

Was die Hochstimmung der Zuschauer betraf, so schien nun der absolute Höhepunkt der 29. „Starpyramide“ endgültig erreicht – und dieser sollte tatsächlich nochmals weit über eine Stunde anhalten. Denn nun enterte niemand geringeres, als Altmeister MICHAEL HOLM, die Bühne der Friedrich-Ebert-Halle und bot ein reales Hitfeuerwerk erster Güteklasse auf, das seinesgleichen lange zu suchen vermag. Mit der abgeklärten Country-Ballade „Musst du jetzt gerade gehen, Lucille“ (1977, im Original von Kenny Rogers) geleitete uns der in Süddeutschland lebende, 71jährige Schlagerdauerbrenner in die glitzernde Hitparadenwelt der 70er Jahre. Schnell wurde lebhaft und ausgelassen „Barfuß im Regen“ getanzt (1970), bevor der einstige Kooperationspartner des Südtiroler Soundtüftlers Giorgio Moroder, eigentlich ansetzen wollte, seine – m.E. phänomenale – aktuelle Single „Meine Augen sind noch blau“ zu proklamieren. Doch die Technik hatte die Bänder verwechselt, so dass nun erst einmal das Playback zu „Nur ein Kuss, Maddalena“ in den Saal hallte. Aber dieser Fauxpas war schnell behoben. Michael stürzte sich behände in seine – wie gesagt, äußerst empfehlenswerte, geradlinige und stimmungsvolle – 2014er-Gitarrenrockmelodie hinsichtlich seiner weiterhin ‚blauen Augen‘. Erst nach diesem mutmaßlichen Pflichtprogramm (das hinsichtlich der enorm ausgeprägten Qualität und Eingängigkeit dieser neuen Singleveröffentlichung eigentlich gar nicht als reine „Pflichterfüllung“ seitens des Künstlers hätte aufgefasst werden müssen), forderte der liebenswerte Vollprofi wenigstens ein einziges kleines Bussi von der schnieken „Maddalena“ (1974, Top 20 in Deutschland) ein. Dabei wurde der in Stettin geborene Vollblutmusiker von der tosenden Halle mit voller Stimmkraft unterstützt, auch als er in seinen südamerikanisch angehauchten Schlagerparty-Aufmischer ein paar Takte des mexikanischen Folksongs „La Bamba“ einstreute.

Bei seiner Vorführung von „Mendocino“ in Hamburg-Harburg untermischte Michael Holm seinem genialischen Ewigkeitsfavoriten schlussendlich „Rockin‘ all over the World“, die pfundige, schnelle Durchhalteparole aus dem Fundus der britischen Boogierocker „Status Quo“, und trieb somit die anwesenden Beobachter regelrecht zur Ektase.

Diese konnte, wenn überhaupt, nur noch von einem Vertreter des Höchstadels der Partyszenerie getoppt werden. Seine Majestät Onkel Jürgen von und zu Drews, erlauchter König von Mallorca, hatte kaum die Bühne erstiegen, schon bebte der gesamte Saal, als er den sambalastigen Titelsong seiner letzten CD, „Kornblumen“ (2013), ins ausschweifende Publikum im wahrsten Sinne des Wortes hineinballerte, stehenden Fußes gefolgt von Jürgens – in Sachen Dauerhaftigkeit und Kultstatus – letztlich persönlicher Antwort auf Michael Holms „Mendocino“ –, dem ultraeingängigen Überhit über die lauschige Nacht zweier Hippiejugendlicher, irgendwo auf dieser Erde, in einem naturbelassenen „Bett im Kornfeld“. Nun glühten, wie in seinem 2012er-Tanzfetzer „Wenn die Wunderkerzen brennen“, alle Leuchtstäbe dieser Welt, und forderte der unübertreffliche ‚Kornfeld-König‘ auf der melodischen Grundlage eines Althits der Ostrock-Combo „Puhdys“, „Hey, wir wollen die Eisbär’n seh’n“. Als ob dies noch nicht genug wäre, begann nun ein ellenlanges Medley mit zig Disco-Fox-Gassenhauern aus dem Hause Drews – von „Wieder alles im Griff“ (1999) und „Fass mich bloß nicht an“ (1992) bis hin zu seinem unvergesslichen Comeback-Hit aus dem Jahr 1989, „Irgendwann, irgendwo, irgendwie (seh’n wir uns wieder)“, mit dem „Onkel Jürgen“; noch vor Kollege Wolle Petry, in den Tagen des Mauerfalls die bedeutsame Ära des rockig-rhythmischen Disco-Fox-Schlagers einleitete.

Obwohl die vorgesehene Zeit bereits um 50 Minuten überschritten worden war, baute Herr Drews zur großen Freude der Anwesenden noch kurz und bündig im Sinne seines 2009er-Top-10-Titels ein „Schloss“, bevor zum großen Finale alle Künstler noch einmal, gemeinsam mit Peter Sebastian und Carlo von Tiedemann, auf die Bühne kletterten und feierlich und festlich, mit den 1100 verzückten „Starpyramiden“-Besuchern als alles in den Schatten stellender Background-Chor, das traditionelle deutsche Weihnachtslied „Süßer die Glocken nie klingen“ anstimmten. Mit dieser würdigen Huldigung an den baldigen Heiligen Abend, endete eine weitestgehend künstlerisch und qualitativ in höchstem Maße überzeugende, diesmal knapp fünfstündige Benefizgala der Sonderklasse. Alle Gäste und Zuschauer wurden nun glücklich und zufrieden in die kühle Dezemberluft entlassen.

Die ausverkaufte 29. „Starpyramide“ erwies sich in Sachen des ‚guten Zwecks‘, zugunsten des „Gemeinnützigen Jungendwerkes unfallgeschädigter Kinder in der SV Polizei Hamburg von 1920 e.V.“, als durchschlagender Erfolg. Das hingerissene Publikum, die auftretenden Künstler, die sämtlich ihr Bestes gaben, die vielen Helfer vor Ort und, nicht zu vergessen, all die Sponsoren, die durch ihren (auch finanziellen) Einsatz diese wunderbare Veranstaltung überhaupt erst möglich gemacht hatten, wirkten auf einzigartige Weise zusammen, so dass diese 29. „Starpyramide“ allen Beteiligten noch lange, lange Zeit in bester Erinnerung bleibt.

Es ist nicht zu viel verraten, wenn schon jetzt bereits vom Gastgeber Peter Sebastian angekündigt wird, dass zwölf Monate vor der spektakulären Jubiläumsausgabe der „Starpyramide“ am 29.11.2015 und zum 50jährigen Bestehen des „Jugendwerks“, an einer Vielzahl spannungsgeladener, innovativer Aktionen und Ideen gearbeitet wird. Freuen wir uns also alle auf die „30. STARPYRAMIDE“ mit ganz besonderem Schwung, Elan und überbordender Intensität. Denn Publikum und Künstler haben jedenfalls am II. Adventssonntag 2014 eindeutig und unzweifelhaft bewiesen, dass die „Starpyramide“ auch im 29. Jahr ihres Bestehens als eine ganz tolle und außergewöhnliche  Benefizsause mit viel Spaß, Freude, Musik und kulturellen Vorführungen anzusehen ist und längst eine feste Institution des Schlagerlebens an der Waterkant darstellt. So kann jeder Beobachter zusätzlich gut erkennen, dass auch zu einem geringen Eintrittspreis von nur 30.00.- bis 40.00.- Euro, dessen Reinerlös in Gesamtheit den unfallgeschädigten Kindern zu Gute kommt, eine mitreißende, erquickliche und erinnerungswürdige Veranstaltung möglich ist.

Das Gesamtergebnis der Spendeneinnahmen der 29. „Starpyramide“ wird nach Neujahr im Rahmen einer Scheckübergabe an den Schirmherrn und Hamburger Innensenator Michael Neumann öffentlich bekannt gegeben!

Schlussendlich, da der Verfasser dieser Zeilen als Naschkatze bekannt ist, bedankt er sich in aller Form bei Herrn Bastian Bierbaum, der nach Ausklang der Veranstaltung 500 Packungen Original Hamburger Speck für die glücklichen Besucher der 29. „Starpyramide“ kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Und wenn wir nun schon bei den Lobeshymnen an die Sponsoren sind, darf auf keinen Fall bereits erwähnter Kaufmann Albert Darboven vergessen werden, der aus dem Bestand seiner Firma 700 Pfund „Idee Kaffee‘ zu einem supergünstigen Preis von nur 3.50.- Euro zum Verkauf in der Halle dargereicht hat, wobei diese Beträge zusammengerechnet ebenfalls in den Spendentopf flossen.

Holger Stürenburg


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