"ECHO"
smago! Gast Kolumne – "ECHO 2017": Ist weniger wirklich mehr …?

Stephan Imming spekuliert über die Hintergründe der Regeländerungen! 

Pünktlich zum 25-jährigen Bestehen des Echos (die erste Preisverleihung war am 18. Mai 1992) hat man sich erneut dazu entschlossen, die Regeln zu ändern. Wenn man böse wäre, könnte man sagen, dass man einfach kein wirksames Mittel gegen Schlager und insbesondere gegen Helene Fischer zu finden scheint. „Extra für Helene“ hatte man nämlich die Echo-Regeln geändert und ihr Album „Farbenspiel“ aus der Wertung gekickt, indem man nur Alben zuließ, die maximal zwei Jahre alt waren (- dass man sich da trotzdem teilweise verrechnet hat, steht auf einem anderen Blatt…).

Obwohl man da „Schweinchen Schlau“ gegeben hat, ging der Schuss nach hinten los – trotz diverser nicht nachvollziehbarer Regeländerungen hat Superstar Helene im vergangenen Jahr schon wieder vier Echos abgeräumt. Wenn man fair wäre, müsste man Helene in diesem Jahr schon wieder auf dem Schirm haben, da sie nüchtern betrachtet schlicht wieder die erfolgreichste Sängerin des vergangenen Jahres war, wenn man die von der GfK offiziell ermittelten Schlager Charts als Grundlage nimmt (siehe hier: https://smago.de/d/artikel/77872/ ).

In diesem Jahr haben die Änderungen andere Gründe – die Streichung von verzichtbaren Kategorien wie „Cross Over“ oder „DVD national“ etc. strafft die Veranstaltung. Ein heftiges Geschmäckle kriegt diese Änderung, wenn man den zugehörigen Artikel des Branchenblattes „MusikWoche“ liest. Darin steht geschrieben: „Zieht man die neu sortierten Kategorien und die Sieger des Echo 2016 heran, hätte Helene Fischer ohne die Preise in den Sparten Crossover, Musik-DVD und Live-Act des Jahres nur eine statt vier Trophäen gewonnen.“ Mit anderen Worten – wenn man böse wäre, könnte man vermuten, schon wieder ginge es um eine Ausbootung Helenes. Wobei der zitierte Artikel einen Aspekt nicht berücksichtigt – die schwachsinnige Crossover-Auszeichnung gab es für ein Schlageralbum, das von der GfK auch im Schlager-Genre gelistet ist. Helene hätten also auch bei neuer Betrachtungsweise mindestens zwei Echos zugestanden.

Um ganz auf „Nummer Sicher“ zu gehen, wird noch einer draufgesetzt: Bislang ermittelten sich die Awards in den wichtigsten Kategorien ausschließlich über den Verkaufserfolg. Es zählte also alleine der Publikumsgeschmack – so kam es zu kuriosen Verleihungen wie die an Schnappi, das Krokodil.

Auch damit soll nun wohl Schluss sein, weil eine Jury „das Schlimmste“ verhindern soll – so liest sich zumindest der „MusikWoche“-Artikel: „So soll es künftig für jedes musikalische Genre eine eigene Fachjury geben, "deren Stimme darüber hinaus auch ein deutlich höheres Gewicht bei der Vergabeentscheidung hat“. Das heißt übersetzt: Wenn die Amigos das erfolgreichste Volksmusik-Album des Jahres hätten (theoretisches Beispiel) und Andreas Gabalier das fünftmeist platzierte Album (wie gesagt: theoretisch, dem ist in der Praxis nicht so), könnte die Jury Gabalier den Preis zukommen lassen, obwohl das Publikum per Tonträgerkäufe anders gestimmt hat. Im Endeffekt steht (übertrieben gesprochen) dann zu befürchten, dass Ross Antony, DJ Ötzi und Sarah Jane Scott den Schlager-Echo abräumen werden.

Wie schizophren subjektive Einflussnahme auf Begriffe wie „Hit des Jahres“ ist, zeigte kürzlich ja die „Eins der Besten“, die für diese Kategorie an den Song „Geboren, um Dich zu lieben“ ging. Demnächst gibt es bei der „Mein Star des Jahres“-Preisverleihung die Kategorie „Hit de Jahres“. Nominiert sind Kerstin Ott („Die immer lacht“), Andreas Gabalier („Hulapalu“) und Beatrice Egli („Wo sind all die Romeos“) – siehe auch hier: https://smago.de/d/artikel/78065/ . Wer genau hinsieht, dem fällt auf, dass da vielleicht ein Titel fehlt, der anderweitig als Hit des Jahres ausgezeichnet wurde?

Nochmals sei die MusikWoche zitiert: „In den vergangenen Jahren hatten unter anderem die Dauer der Verleihung und die Ausrichtung des Echo als Preis für vorherige Verkaufserfolge für Kritik gesorgt.“ – Das kann ich so nicht unterschreiben. Kritischer sind diese stets willkürlichen Regeländerungen zu sehen, wobei der Fall doch eigentlich recht einfach ist – wer am besten in den Charts notiert ist, der gewinnt…“ Sicher ist es ärgerlich, wenn dadurch Gruppen wie die Böhsen Onkelz oder FreiWild ausgezeichnet werden – aber das muss man dann „aushalten“ bei einem Preis, der Erfolg auszeichnen will. Wenn nun im stillen Kämmerlein der Echo „ausgewürfelt“ wird wie z. B. der „Hit des Jahres“ bei anderen Veranstaltungen (, statt einfach die Charts zu bemühen,) hat der Echo seine Daseinsberechtigung verloren – dann wäre es Zeit für einen Preis, der genau DAS auszeichnet: Die erfolgreichsten Tonträger des vergangenen Kalenderjahres – und eben nicht „die erfolgreichsten Alben von (z. B.) 3. März 2016 bis 2. März 2017, sofern sie nicht älter als zwei Jahre sind und von einer Jury für gut befunden wurden“…

Man darf sehr gespannt sein, wie die offiziellen Regeln ausgestaltet sein werden und inwieweit kommerzieller Erfolg bei der Preisverleihung noch eine Rolle spielt.

Stephan Imming, 26.01.2017
http://www.musikindustrie.de
http://www.echo-deutscher-musikpreis.de


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