REIM
Das große smago! Exklusiv-Interview mit Matthias Reim …

… zu seinem neuen (zwanzigsten!) Album „MR20“!

 

 

Lieber Matthias Reim, irgendwie verbreitet Ihr zwanzigstes Album „MR20“ eine ähnliche „Aufbruchstimmung“ wie seinerzeit „Reim“ … Sie selbst bezeichnen „MR20“ als „eckigen Kreis“ …

Ich wollte mit der gleichen Naivität des Erzählens und mit der gleichen Freiheit wie damals, als ich noch nie in den Charts war und mich darum auch nicht geschert habe, herangehen. Das war damals gar nicht mein Ziel. Ich wollte „Matthias Reim“ etablieren, also meine Aussagen. Ich wollte wissen, was meine Lieder aus den Menschen machen. Diese Fähigkeit von damals wollte ich zurückgewinnen. Einen eckigen Kreis. 
Ich glaube, ich habe es geschafft, die typischen Matthias-Reim-Geschichten zu erzählen und vielseitig zu sein.

Im einem Song be
schwören Sie Deep Purple, Led Zeppelin und die „frühen Queen“. Gehören Sie zu denen, die mit den späten Aufnahmen von Queen nicht viel anfangen können?

Richtig! Die frühen Queen waren für mich eine Sensation. Leider haben die sich dann kommerzialisiert und sind zur Mainstream-Musik übergegangen. Das hat mich als Fan der Rockmusik der 70er und 80er Jahre nicht mehr angesprochen. „Radio GaGa“ ging an mir vorbei – ich sagte mir – wo sind die Zeiten von „Night At the Opera“ hin? Das ist das gleiche, was ich mich gefragt habe: Wie kann ich diese Faszination, die mein erstes Album ausgelöst hat – wir spielen ja immer noch fünf bis sechs Titel bei jedem Konzert daraus, weil die Menschen das einfach hören wollen. Ich fragte mich: Was hatten diese Songs? Das hab ich versucht, wiederzufinden, indem ich mich erinnere und erzähle, was Musik mir früher bedeutet hat. Heute streamt man. Früher hat man die Platten gekauft und wie Schätze behandelt. Die Platten gehörten uns. Heute streamt man Songs, wenn sie gefallen, und vergisst sie wieder. Die Platten von The Who, Deep Purple und Led Zeppelin – die standen in meiner Plattensammlung – und wenn ich die nur angefasst habe, hatte ich einen Schatz in der Hand. Das war meins!

Auch der deutsche Schlager war lange Zeit verpönt … Wie verhielt sich das bei Ihnen, als Sie selbst noch kein „Rock-Schlagersänger“ waren?

Ich habe früher heimlich Stefan Waggershausen und den frühen Udo Lindenberg gehört. Lindenberg habe ich noch stehen lassen, wenn Kumpels kamen, aber Stefan Waggersahausen habe ich unter der Matratze versteckt, wenn Kumpels kamen. Das, was zu sehen war, war Deep Purple, Led Zeppelin und so. Ich habe mich geschämt, dass ich dieses „Süßliche“ toll fand. „Hallo Engel“ fand ich wunderschön, aber das konnte ich ja keinem laut sagen.Selbst bei Wolfgang Petrys Mega-Erfolg hat man noch ein bisschen den Kopf eingezogen. Bei Helene Fischer und Andrea Berg geht man mit Selbstbewusstsein ran und bekennt sich dazu. Ich finde das geil. Das ist eine tolle Entwicklung.

Die erste Single „Eiskalt“ erinnerte stellenweise ein bisschen an einen Song von Manfred Manns Earthband. Die tauchen in der Aufzählung nicht auf. War es bewusst oder unbewusst, dass das Intro im Sound ein bisschen durchschimmert?

Das war bewusst unbewusst. Wir hatten es angespielt – und ich habe gesagt: „Lass das doch!“ – weil das gerade bei dem Remake „I Came From You“ von den Discoboys tierisch funktioniert hat. Ich habe gesagt – lass uns ein bisschen pumpen, lass uns die Rockelemente behalten, die einfach zu Matthias Reim gehören. Und „Eiskalt“ ist einer der besten Singles, die ich seit Jahren hatte. Ich liebe diesen Song. Er hat eine Wucht und Griffigkeit. Es ist kein Popschlager a la Michael Wendler. Das hat Eier.

Schmeichelt Ihnen die Bezeichnung, der „Keith Richards des Rockschlagers“ zu sein – z. B. hinsichtlich der „Stehaufmännchen“-Mentalität?

Ich freue mich, dass es mir nach den schweren Jahren gelungen ist, die Menschen wieder nach schweren Jahren so zurückzuholen. Ich freue, dass ich mich selbst kritisieren kann und versuchen kann, mich stets zu verbessern. Ich habe mich nie zurückgelehnt und gesagt „Das läuft schon!“ – nein, es läuft nie von selbst. Wenn man mich mit der Legende Keith Richards vergleicht, ist das toll – das ist eine Legende. Ich bin nicht der Typ, der in die Schönheitsfarm geht und sich faltenfrei machen lässt – das finde ich lächerlich. Ich bin ich – und ich habe nun einmal 61 Jahre wild und schön – manchmal auch schwierig gelebt. Das darf man sehen. Wenn ich Geschichten erzähle und selbst auf Deep Purple und Led Zeppelin zurückgreifen, muss man sehen, dass ich das erlebt habe.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Sarah Fresh zustande?

Das war ein wunderbarer Zufall. Ich hatte diesen Song geschrieben und hatte ihn mit einem meiner Arrangeure besprochen. Ich hatte ihn gebeten, da einen schönen Groove drunter zu legen. Der Typ meinte, er hätte eine Idee. Er könne sich einen Rap darin vorstellen. Ich sagte ihm – mit wem denn? Er meinte, ich frage mal jemanden. Ich kannte Sarah Fresh nicht, ich kannte auch Eko Fresh nicht. Das war nicht meine Richtung. Und dann kam so ein geiler Song zurück – für mich auch definitiv eine Single. Ein intensiver und wunderschöner Song, dass ich mir sagte, dass es sich lohnt, auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen.

Vor einiger Zeit erschien eine Single Ihres Sohnes Julian Reim. Sollte nicht auch von Tochter Marie ein Titel erscheinen?

Nur weil ich ihr Vater bin, wollen die Menschen sie nicht automatisch hören. Wenn die Menschen euch hören wollen, dann wollen sie NUR euch – so meine Meinung. Wenn ihr ein erfolgreicher Musiker werden wollt, müsst ihr euch aus meinem Schatten befreien. Warum bei Marie noch nichts gekommen ist, weiß ich nicht – ich nehme an, die haben noch nicht den richtigen Song gefunden. Julian hat das alles selbst bewerkstelligt. Als er mir seinen Song vorstellte, habe ich ihm großen Respekt gezollt. Ich habe ihm gesagt, dass er nicht unter meinem Schatten untergehen soll, deshalb halten wir uns lieber voneinander fern, weil er mit seiner Musik nicht verdient hat, immer mit mir verglichen zu werden.

Bei Ihrer Tour hat Michelle Sie in Berlin besucht. Werden Sie Michelle bei ihrer „Tabu“-Tour besuchen?

Nein, das ist nicht geplant.

Ein gemeinsames Album oder ein gemeinsames Konzert – ist das auch nicht geplant oder vorgesehen?

Wir haben das immer wieder mal angedacht. Aber im Moment freue ich mich so über das, was bei mir live passiert und über die Konzerte, die so schön voll sind. Da stehe ich mir selbst ehrlich gesagt näher, als dass wir das planen. Vorstellbar ist das. Wir hatten es für Ende nächsten Jahres sogar angedacht. Dank des Erfolges von „Eiskalt“ hat sich das etwas nach hinten verschoben.

Sie legen einen bemerkenswerten Schaffensdrang an, was neue Tonträger betrifft. Wird es nicht immer schwieriger, neue Themen zu finden? Oder ist es im Gegenteil einfacher, weil es so toll läuft?

Es ist zugegeben schwer, einen guten Song zu machen, auch wenn der Erfolg inspiriert. Du kannst dich nicht hinsetzen und einen guten Song schreiben wollen, das ist schwer. Den musst du finden, da spielt auch das Unterbewusstsein eine Rolle, auch die Stimmungslage, dass die Geschichte kommt. Heute ist es schwerer denn je, denn die Leute kaufen nicht das Album, weil sie einen Interpreten immer gut fanden – sie hören in das Album vorher rein. Auf gut Glück wird heute nicht mehr gekauft, da wird vorher gestreamt. Wir haben keine „Auf gut Glück“-Käufer mehr, die musst du schon überzeugen. Das war die große Aufgabe, die ich zu lösen hatte. Matthias Reim muss einfach zurückkommen. Das war die Quadratur des Kreises.

Sie haben selber erwähnt, dass Sie zeitweise „weg vom Fenster“ waren. Wie stark hat Sie die Zeit des Wellentals geprägt? Das war ja um die Jahrtausendwende…

Ich habe die Zeit erlebt. Ich bin mir bewusst, dass – wenn man sich nicht wirklich konzentriert und das, was das Publikum sich wünscht, nicht bedient, in eine Falle laufen kann. Ich kenne das auch. Ich bin ja auch Musikkonsument. Wenn sich meine Lieblingsband ein Album leistet, das ich total Scheiße finde, weil sie nicht das gemacht haben, was ich mir gewünscht habe. Dann kaufe ich die CD nicht und gehe auch nicht in die Konzerte. Das ist ein Prozess: Es ist wichtig, sich einen Kopf zu machen, was die Menschen an den Songs mögen. Ich frage mich, was lieben die Menschen an meiner Musik? Was hatte Erfolg, und was hat zu einem Totalflop geführt? Da habe ich viel drüber nachgedacht. Und ich glaube, dass ich da was gefunden habe. Das werde ich sehen. Ich wollte das Album halbwegs allein machen. Ich glaube, dass ich da auf einem richtigen Weg bin. Wenn wir jetzt noch „Tattoo“ und „Deep Purple und Led Zeppelin“ hinterherschicken, machen die Leute glaube ich die Arme auf und sagen: Das ist der Matthias Reim, wie wir ihn haben wollen…

Mit „Hauptstadt“ haben Sie eine neue Berlin-Hymne aus der Taufe gehoben. Kann man sagen: Was für Roland Kaiser Dresden ist, ist für Matthias Reim Berlin? Kann man das so formulieren?

Durchaus ja. Ich komme zwar nicht aus Berlin – aber wenn ich in Berlin live spiele, ist das tatsächlich unglaublich, wobei wir auch gerne und erfolgreich in Dresden spielen. Aber Berlin ist durchaus meine Messlatte. Meine Mutter ist gebürtige Berlinerin. Ich hatte da immer eine besonders schöne Zeit in dieser Stadt. Wenn wir wussten – wir spielen in Berlin – egal, ob Wulheide, oder Waldbühne oder Mercedes-Benz-Arena- ich kriege das Grinsen dann nicht aus dem Gesicht, wenn ich dahin fahre. Ich habe dann einfach gute Laune, weil ich weiß, dass mich ein tolles Fest erwartet – dann haben wir „komm in die Hauptstadt“ geschrieben.

Dass Sie gerne auf den Punkt kommen, erkennt man daran, dass bei sieben von elf neuen Songs der Titel mit genau einem Wort auskommt. Haben Sie gelernt, auf den Punkt zu kommen – das Wesentliche vom Unswesentlichen zu unterscheiden?

Das habe ich in der Tat versucht, wir haben immer wieder die Titel verbessert und umzuschreiben. In der Tat habe ich versucht, auf den Punkt zu kommen – bei jedem einzelnen Song: Was willst du erzählen? Warum erzählst du es? Das kann man bei jedem Song finden. Deshalb sind auch „nur“ zwölf neue Songs drauf bzw. elf neue und die Rock-Geschichte mit Michelle. Das reicht. Da gibt es keine Füll-Songs. Ich wollte abliefern und stolz darauf sein. Ich glaube, dass das Publikum es auch so sieht. Dafür habe ich lange gearbeitet und lange gesucht und meine Erfahrungen einfließen lassen und mir nicht reinreden lassen – weder von der Plattenfirma noch von anderen Produzenten oder Komponisten – ich habe mein Ding gemacht.

Ein Gedanke zu „REIM
Das große smago! Exklusiv-Interview mit Matthias Reim …

  • 27. Oktober 2019 um 12:46
    Permalink

    Matze ist der geilste und authentische Sänger.
    Ich ziehe den Hut vor diesen Mann!!!
    Ich liebe ihn und für immer bin ich ein Reim Fan❤

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