FREUDENBERG & LAIS
smago! Exklusiv-Interview "Lebenslinien" mit Ute Freudenberg & Christian Lais!

Für smago! Chefredakteur Andy Tichler bot sich am 30.07.2016 im Europapark in Rust (auf dem „Immer wieder sonntags“) Festivalgelände die Gelegenheit eines Interviews mit FREUDENBERG & LAIS …: 

Liebe Ute Freudenberg, lieber Christian Lais, als Sie vor einigen Jahren den ersten gemeinsamen Duett-Song – „Auf den Dächern von Berlin“ – aufgenommen haben, hätten Sie damals an ein drittes Duett-Album zu glauben gewagt?

Ute Freudenberg: Da haben gar nicht darüber nachgedacht. Es war eigentlich nur dieser eine Titel geplant. Das erste Album war für uns schon eine Überraschung. Daran, dass es ein zweites und ein drittes geben wird, war nicht zu denken.

Wenn Sie auf Ihre ganz persönlichen jeweiligen „Lebenslinien“ zurückblicken: Was, würden Sie sagen, war Ihre „schönste Zeit“ – oder kommt die vielleicht erst noch?

Christian Lais: Für mich ist die Zeit, die ich jetzt lebe, am schönsten. Wobei ich auch sehr gerne an meine Jugend- und Teenagerzeit zurückblicke.

Ute Freudenberg: Ich glaube: Je älter man wird, desto bewusster lebt man das Leben und desto bewusster erlebt und empfindet man auch Erfolg, Glücklich sein und Zufriedenheit. Deswegen kann ich für mich sagen, dass ich gerade die schönste Zeit in meinem Leben erlebe.

Der Titel „Für den Frieden unserer Zeit“ beginnt relativ „harmlos“ und positiv. Der Refrain ist dann richtiggehend „brutal“. Haben Sie nicht gezögert, diesen hammerharten Text auch wirklich so zu singen?



Ute Freudenberg: Wir haben sogar die Vorgabe gegeben, dass wir genau so einen Text singen wollen. Und wir wussten natürlich auch, von wem wir das texten lassen. Es war schon in der Vorabsprache vereinbart, dass Sätze wie „Ich lebe gern in diesem Land“ ebenso darin vorkommen sollten wie Worte wie „Terror“ und „Krieg“, um die Ernsthaftigkeit  zu unterstreichen. Die Menschen erwarten von uns brisante Themen und wir wollten auch dazu unsere Haltung zeigen zu diesem Thema.

Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass die Melodie und der Text grundverschieden sind, sodass man das niemals zusammen vermuten. würde. Genau das ist der Reiz dieses Titels, dass Du eine sehr gefällige Melodie hast und dann diesen Hammertext dazu. Wir, Christian und ich, haben erlebt, dass die Leute das Atmen vergessen und Gänsehaut kriegen.

Christian Lais: Der Titel passt absolut in die heutige Zeit: überall Krieg und Terror, überall haben die Menschen Angst auf die Straße zu gehen. Wir sind ein Volk. Und es muss einfach wieder Ruhe und Frieden einkehren auf dieser Welt.

Ein beklemmender Text ist ohne Frage auch „Nicht für immer“. Hier verlässt eine Frau ihren Mann, der nicht gerade sonderlich „sorgsam“ mit ihr umgegangen ist …

Ute Freudenberg: Das hätte auch ein Mann singen können. Es gibt Männer, die Frauen schlagen; es gibt aber auch Frauen, die Männer schlagen, wenngleich prozentual viel weniger. Aber in diesem Fall ist es die Frau, die ihre Konsequenzen zieht. Sie hat den Mann irgendwann mal geliebt, aber eben nicht für immer. Weil eben Dinge passiert sind, die sie so nicht ertragen kann und will. Das ist ein Thema, das viele, viele Menschen betrifft. Und deswegen ist es genau ein Titel und ein Text gewesen für unsere „Lebenslinien“.

Glücklicherweise kommen auch die heiteren Momente auf „Lebenslinien“ nicht zu kurz – beste Anspieltipps „Sanfter Sommerwind“ sowie „Männer und Frauen“. Wurde speziell bei „Männer und Frauen“ der LORIOT-Sketch „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen!“ vertont?

Christian Lais: Wir wollten einfach den Unterschied aufzeigen zwischen Männern und Frauen. Ute stellvertretend für die meisten Frauen, ich für die meisten Männer.

Ute Freudenberg: Wir konterkarieren die Macken, die wir so haben.

Christian Lais: Wir nehmen uns selbst ein bisschen auf die Schippe.

Ute Freudenberg: Diese Texte sind nicht bewusst entstanden. Die sind uns wirklich zugeflogen, als die Melodien da waren. David Brandes komponiert nicht auf Schublade, sondern er komponiert in dem Moment, in dem angesagt wird: ‚Es wird ein neues Album produziert‘. Und auf einmal kam er mit dieser herrlichen Schnulze an, noch unterstützt durch die Geigen im Arrangement. Da haben wir schon gelacht … und überlegt, was können wir denn für ein Thema darauf singen? David Brandes meinte: „entweder ganz böse“, also hammerhart, „oder“, habe ICH dann gesagt, „ganz witzig“. So kamen wir auf die Idee des Themas ‚Männer und Frauen‘ und was es alles im Alltag an Unterschieden gibt. Ich habe dann eine Liste mit den jeweiligen Macken von ‚Männer und Frauen‘ geschrieben. Und aus diesem Pool haben wir geschöpft. Es hat richtig Spaß gemacht.

Der Text des Titels „Bis zur nächsten Wahl“ ist ziemlich zynisch, satirisch-sarkatisch, richtiggehend „giftig“. Frau Freudenberg, Ihrer Biografie kann man entnehmen, dass Sie nie vor Obrigkeiten gekuscht haben. Deswegen ganz speziell an SIE die Frage. Wie wichtig war speziell IHNEN dieser Song und was war IHR Haupt-Leitmotiv dafür?

Ute Freudenberg: Ich bin genau wie viele andere in diesem Land politikmüde, weil die vielen Versprechen nicht  eingehalten wird. Es sind so viele Dinge, die mich enttäuschen, es gibt so viele Punkte, wo ich mich als Bürger dieses Landes vertreten fühlen MÖCHTE, weil ich die Politiker ja gewählt habe. Und dann passiert nichts – und es wird nichts in meinem Interesse getan. Und ich bin so enttäuscht, dass ich gesagt habe, „sofort!!!“ – ich bin sofort dabei, diesen Text zu singen. Es war eine lange Zeit der Erarbeitung, die richtigen Worte zu finden. Aber es hat sich gelohnt. Dieser Text ist richtig schön giftig. Und das wollten wir.

Nicht weniger giftig stellt sich der Titel „Wir ziehen ein“ dar, in dem es um die sogenannten „Heuschrecken“, um „Entmietung“, geht. Kommen Sie mit diesem Thema nicht gut 10 Jahre zu spät?

Ute Freudenberg: Ich muss Ihnen widersprechen! Als wir diesen Text erarbeitet haben, war ich gerade in einem Hotel und habe im Fernsehen eine einstündige Dokumentation GENAU über dieses Thema gesehen. Sofort habe ich unseren Produzenten angerufen und gesagt: „David, wir sind so was von aktuell mit dieser Nummer!“. Ich habe es gesehen. Die Leute haben geweint und erzählt, wie sie  da rausgeekelt werden. Das ist schon der Hammer.

Christian Lais: Das Thema ist heute aktueller denn je. Ich sehe es in meiner Ecke, wo ich herkomme. Da wurden Häuser neu saniert und die Mieter rausgeekelt. Wunderschöne Lofts am Rhein, die jetzt für Millionen verkauft werden. Die Menschen, die da 40 bis 50 Jahre lang gelebt haben, hat man einfach „raussaniert“.

Frau Freudenberg, bereits auf Ihrem bislang letzten Solo-Titel „Hungriges Herz“ reimt sich „Herz“ auf „Schmerz“ und jetzt im Folge-Titel schon wieder. Bietet die deutsche Sprache nicht mehr „Raum“ als diesen leidigen „Herz-Schmerz-Reim“?

Ute Freudenberg: Wo, bitte, haben wir auf diesem Album „Herz und Schmerz“?

Bei der aktuellen Radio-Single „Leben“ …

Der eine Titel ist von mir getextet, das „Hungrige Herz“, und „Leben“ ist ein Text von Hans-Ulrich Esp. Der kennt mein „Hungriges Herz“ gar nicht. Das waren einfach seine Worte, die er bei der Musik empfunden hat. Und wir empfinden diesen Text einfach großartig, weil er aussagt , dass man mutig sein soll, bestimmte Wege zu gehen. Sonst sagt man: „Mensch, hätte ich es damals nur gemacht“. Einfach diesen Mut, das Leben auch wirklich anzugehen und Herausforderungen anzunehmen.

Wieso gibt es eigentlich noch immer keine gemeinschaftliche Homepage von „Freudenberg & Lais“?

Ute Freudenberg: Weil das nicht notwendig ist! Weil wir verlinkt sind. Ich aktualisiere, er aktualisiert. Wenn wir uns jetzt auch noch um eine dritte Homepage kümmern müssten … Das ist doch doppelt gemoppelt.

Christian Lais: Wir hätten gar nicht die Zeit dazu …

Ute Freudenberg: Unsere Infos gehen immer von einem Fanclub zum anderen – und zwar sofort, auf der Stelle! Wir arbeiten da so wunderbar miteinander, so dass unsere Fans die Informationen im Prinzip zur gleichen Zeit bekommen, obwohl sie vielleicht gerade auf der Homepage des anderen sind.

Problematisch wird es allerdings dann, wenn man nur „Ute Freudenberg“ oder nur „Christian Lais“ eingibt und die aktuelle CD „Lebenslinien“ als Download erwerben möchte …

Ute Freudenberg: Da muss man am besten über Amazon gehen …

Aber wenn man „nur“ Ute Freudenberg eingibt, wird man bezüglich der Duett-Alben nicht fündig …

Ute Freudenberg: Dann müssen Sie ‚Freudenberg & Lais‘ eingeben. Das ist ja in der heutigen Zeit kein Problem.

Für Mai 2017 ist die nächste Duett-Tournee geplant. Was gäbe hierzu zu sagen?

Ute Freudenberg: Es gibt die ersten zehn Termine, die stehen auch schon überall. Die Fans freuen sich darauf – und wir freuen uns auch. „Live“ ist eine wunderbare Geschichte.

Christian Lais: Gerade, wenn wir daran denken, dass wir „Männer und Frauen“ live singen, müssen wir jetzt schon lachen. Es wird eine schöne Zeit werden. Und wir freuen uns darauf, weil es dann praktisch nach 4 Jahren wieder die erste Duett-Tournee ist.

Werden Sie bei dieser Tournee ausschließlich Ihre Duett-Titel singen oder jeweils auch solistisch in Erscheinung treten?

Ute Freudenberg: Wir werden 99 % Duett-Titel machen und nur die zwei wichtigsten Solo-Titel.

Sind eventuell weitere Stargäste eingeplant?

Christian Lais: Nein.

Ute Freudeberg: Bis jetzt nicht. Unser Repertoire ist auch so groß, dass es schon abendfüllend ist. Wir wollen einfach ein schönes Programm für unsere Fans machen – und die wollen unsere Duette hören. Wir haben mittlerweile so viele erfolgreiche Duette, das diese auch erklingen sollen. Und dann die neuen von Lebenslinien dazu, das wird eine lange Geschichte. Da haben wir keinen Platz, um noch Gäste einzuladen. Wir wissen ja noch nicht einmal, wie viele von unseren Duett-Titeln wir im Programm unterbringen können … (lacht)

Wie sieht Ihr jeweiliger „5-Jahres-Plan“ aus?



Ute Freudenberg: Für mich gibt es keinen 5-Jahres-Plan. Wir haben JETZT das Album fertiggestellt und werden uns darauf konzentrieren, dieses Album zu vermarkten. Das bedeutet: Bei uns beiden wird die Solo-Karriere ein kleines Stückchen zurücktreten. Die nächsten Fernsehgeschichten und überhaupt alles, was wir derzeit machen, wird im Namen des Duettes stehen. Dann werden wir weitersehen.

Wir leben im JETZT. Und wir können nicht vorausschauen. Man muss zunächst einmal gesund bleiben, um überhaupt weitermachen zu können. Das ist das Wichtigste. Wir freuen uns über jeden Tag, den wir haben, um diese neuen Liedern präsentieren zu dürfen und miteinander eine gute Zeit zu haben.

Christian Lais: Ich kann das nur unterstreichen. Wir arbeiten gerade – im Jetzt und Hier – an unserem Album. Und in einem Jahr sehen wir weiter: Gibt es wieder Solo-Alben oder ein weiteres Duett-Album …? Wir lassen einfach alles auf uns zukommen.

Foto-Credits: Katja Kahl

Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de
http://www.universal-music.de/company/umg/electrola
http://www.ute-freudenberg.de/


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