EAV
„Alles ist erlaubt“ – Das Wichtigste „in Kürze“!

Die Geschichte der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) …:

 

 

1977        Vor drei Jahren hatte sich in Wien rund um Eik Breit die Band „Antipasta“ formiert, zu welcher unter anderem auch die Schweden Nino Holm und Anders Stenmo gehörten. Dabei musizierte Nino parallel dazu mit seinem Kommilitonen Thomas Spitzer in einer Band, die sich aus dem Umfeld der Kunstakademie rekrutiert. Der Steirer Thomas hatte zuvor in der Grazer Band „Mephisto“ und „Intoxicated Earth Oil Company“ mit Jugendfreund Gert Steinbäcker und Walter Hammerl musikalische Erfahrungen gesammelt. Er sieht die „Antipasta“ erstmals im Folk-Club „Atlantis“. Nicht überwältigt vom Liedermacher-Konzept der „Antipasta“ bringt er sie zu einem Wiener Konzert seines Freundes Gert mit. Dieser spielt dort mit Günther Timischl und Schiffkowitz ebenfalls Lieder à la CSNY – mit einer Stärke, die den späteren Erfolg von „STS“ schon erahnen lässt. Daraufhin fruchtet der Vorschlag der beiden Karikatur-Freunde Thomas und Nino ein eigenständiges, originelles Rock-Kabarett auf die Beine zu stellen sehr bald und die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ wird gegründet. Namenspate ist die „Erste Allgemeine Versicherung“, die ihren Sitz im Generali-Versicherungsgebäude am Wildpretmarkt in Wien, neben welches Thomas, Eik und Marina Tatic kurz zuvor eingezogen waren, hat. Auch Walter Hammerl, Grazer Jugendfreund von Thomas, verlässt nach einem Anruf umgehend Frau und Heimat und gesellt sich als Manager und Geldauftreiber zu der illustren Truppe in die Hauptstadt.

1978        Zufällig trifft Thomas Spitzer auf einer Zugfahrt seinen alten Bekannten Wilfried Scheutz wieder. Dieser ist in Österreich bereits mit Hits wie „Mary, Oh Mary“ oder „Ziwui, Ziwui“ sehr erfolgreich unterwegs. Thomas erzählt von dem Vorhaben der Verunsicherung und von den Tour-Planungen. Auch erwähnt er das Fehlen eines Sängers, woraufhin Wilfried den Geburtshelfer und Wegbereiter der frisch gegründeten Band mimt, seine Solokarrieren-Höhenflüge ein Jahr auf Eis legt und die Laien-Combo auf Tour begleitet. Am 25.5.1978 kommt es dann zum ersten Auftritt der Verunsicherung – im Wiener Schauspielhaus. Weitere Konzerte führen nach West- und Norddeutschland bis im Herbst innerhalb eines Tages das komplette erste Album mit dem schmucklosen Titel „1. allgemeine Verunsicherung“ im Wiener Cloud One Sound Rec. Studio live eingespielt und von René Reitz aufgenommen wird. Das ermöglicht der bestehende Vertrag und Kontakt von Wilfried zur EMI Columbia. Nur zwischen 1000 – 2000 Stück werden gepresst, weshalb diese erste Vinyl-Erscheinung bei Sammlern bis heute heiß begehrt ist. Die Truppe begibt sich auf Österreichtournee und im Dezember zeigen sie ein weihnachtlich erweitertes Konsumkritik-Programm unter dem Arbeitstitel „Lametta Scheinwelt“ auf den Bühnen Österreichs und in München.

1979        Weiterhin werden über Monate hinweg zahlreiche Clubs erst in Österreich und dann in 4 Wochen in West- und Norddeutschland bespielt. Manager und Oberguru Walter Hammerl leistet aufopfernde Beiträge und überzeugt u.a. in durchzechten Nächten Schreiber des renommierten „Sounds“ Musikexpress der Ersten Allgemeinen Verunsicherung einen 3-seitigen Artikel zu widmen. Es folgt eine erste Fernsehshow im ORF mit einigen Liedern aus dem aktuellen Live-Programm, bevor Wilfried sein Intermezzo bei der Band beendet, um sich weiter seiner Solo-Karriere anzunehmen. Als neuer Sänger wird Gert Steinbäcker verpflichtet, um mit ihm umgehend wieder für drei Wochen Deutschland zu verunsichern. Im Winter entsteht eine eigenständige, trashige Weihnachtsshow mit dem Titel „Ihr Kinderlein kommet“. Als Verstärkung fahren Günther Timischl als Ton und Licht-Verantwortlicher und Schiffkowitz als Darsteller und Sänger mit nach Deutschland.

So hat STS, später einmal mindestens so bekannt wie die EAV, für kurze Zeit bei der Verunsicherung angeheuert. Unterwegs nimmt die Band spontan und im Tourtrubel die Single „Ihr Kinderlein kommet“ in einem Dortmunder Studio des „pläne“-Verlag Produzenten Ulrich Maske auf.

 

1980        Vor allem in Deutschland und in der linken Club-Szene ist die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ mittlerweile ein bekannter Name. Das steigert sich umso mehr, als die Band mit ihrem neuen, zweistündigen Live-Programm „Café Passé“ auf 6-wöchige Reise durch Deutschland geht. Auch ein Otto Waalkes, bei dem ersten Auftritt der Band im Hamburger „Onkel Pö“ als Kassier zugegen, zeigt sich begeistert. In Österreich wird erstmals die teils noch als die (speziell in Wien) „Sauband vom Schweine-Wilfried“ verschriene Formation wohlwollend wahrgenommen, als sie überraschend zum Höhepunkt der „Wiener Festwochen – alternativ“ avanciert. Im August beginnen die Aufnahmen zur zweiten LP in Graz, im September gibt es eine 45-minütige Fernsehshow im ARD (Café Passé) und mit diversen Gastspielen in Deutschland endet das Jahr.

1981        Das Jahr beginnt mit einer Tragödie, die die Gemeinschaft zu zerbrechen droht. Während sie alle gemeinsam am Bauernhof am Land leben nimmt sich Walter Hammerl, von den eigenen Mitbewohnern und Gefährten nicht vorhergesehen, im Frühjahr das Leben. Umgehend löst die Band die schlagartig zerrissene Wohngemeinschaft auf und zieht auseinander. Dabei hatten sie zuvor das zweite Album „Café Passé“ bereits fertiggestellt und samt der beiden Single-Auskopplungen „Oh nur Du“ und „Alpen-Punk“ veröffentlicht. Diese zweite LP bekommt den „Deutschen Schallplatten-Kritikerpreis“ verliehen. Von den positiven Resonanzen des Publikums und der linken Szene motiviert trifft man sich weiterhin zu Proben und will die noch junge Band nicht zerbrechen lassen, hat man doch so viel Zeit, Kraft und Ideen in dieses Projekt investiert.

In den kommenden Monaten beginnt die Suche nach einem neuen Conférencier um weiter mit dem „Café Passé“-Programm zu touren. Deshalb fragt Thomas zum zweiten Mal seinen Freund Klaus Eberhartinger. Dieser hatte noch drei Jahre zuvor abgelehnt, lässt sich nun aber doch überzeugen das Risiko einzugehen und die Nachfolge von Walter Hammerl anzutreten. Sehr zur Skepsis der Band und des Umfeldes, da Klaus bis zum ersten gemeinsamen Auftritt in der Arena Wien bei keiner Probe einen einzigen Ton gesungen hatte und auch sonst gar keine musikalische Ausbildung oder gar Bühnenerfahrung mitbrachte. Er ist bereits 31 Jahre alt, als er das erste Mal in seinem Leben ein Mikrofon in den Händen hält. Das Experiment glückt und die Verunsicherung begibt sich wieder auf Tour nach Deutschland und Österreich. Im Massenmedium Fernsehen ist die EAV zum dritten Mal in einem Beitrag des NDR zu sehen.

1982        Es wird die vierte Single „Total Verunsichert“ mit dem Lied „Tanz, Tanz, Tanz“ auf der B-Seite aufgenommen. Da sich keine Plattenfirma an der Veröffentlichung interessiert zeigt, gründet die Band kurzum ihr eigenes Label mit dem passenden Namen „UN-Platte“. Die Single erscheint im Oktober und „Tanz, Tanz, Tanz“ wird als zweite EAV-Nummer überhaupt im Radio gespielt. Von nun teilt sich die Band sämtliche Musik-Tantiemen bzw. Beteiligungen ungeachtet des Beitrag eines jeden Einzelnen, da man sich als Kollektiv von Freunden sieht.

1983        Gert Steinbäcker, zuletzt als Bassist, Sänger und Darsteller unverzichtbar gewesen, verlässt die Band, um sich mehr seinem Trio „STS“ widmen zu können. Daraufhin schlägt Thomas der Band wieder einen neuen Sänger vor. Und zwar den Ausnahmedarsteller Mario Bottazzi, den er im Theater an der Wien 1979 im Brödl-Stück „Wem gehört der Rock ’n‘ Roll?“ schon einmal hatte brillieren sehen. Tatsächlich schließt er sich als zweiter Sänger und späterer Keyboarder der Band an.

Die Arbeiten zum nächsten Programm und Album namens „Spitalo Fatalo“ haben begonnen. Diesmal jedoch findet sich ein Major Label, die EMI Electrola, die fortan die Werke publiziert und vertreibt. Die erste gemeinsame Veröffentlichung kommt im Juli mit der fünften Single „Alpenrap“ zustande. Diese wird zum ersten Hit, steigt auf Platz 6 ein und kann sich ganze 2 1/2 Monate in den Charts halten. Am 19. September 1983 präsentieren sie dieses Lied in der ZDF Hitparade. Im Oktober erscheint „Spitalo Fatalo“ und wird dank einer Gold-Auszeichnung sowie eines Platz 5 in den Album-Charts ein erster Achtungserfolg. Eine weitere Single-Auskopplung dieser Platte ist „Afrika – Ist Massa gut bei Kassa“, die ebenfalls auf Platz 6 der Charts einsteigt.

1984        Die Band tourt noch immer mit ihrem Programm „Spitalo Fatalo“. Da bei dem zugehörigen Album noch einiges an Material liegen geblieben war, schießen sie im Sommer ein viertes Studio-Album nach. „À la Carte“ ist das erste Album welches quasi ausschließlich vom späteren Erfolgs-Produzenten der EAV, Peter Müller, im Soundmill Vienna Studio aufgenommen und produziert wird. Single-Auskopplungen sind „Schweinefunk“, „Liebelei“, „Die Braut und der Matrose“ und „Go Karli Go“. Letztere kann sich wieder 2 1/2 Wochen mit Höchstplatzierung 6 in den Charts halten. Abermals gibt es eine Goldene Schallplatte.

 

1985        Im Sommer erscheint die fünfte LP der Verunsicherung: „Geld oder Leben“. Sie soll den Durchbruch im deutschsprachigen Raum bedeuten. Denn das wieder von Peter Müller produzierte Album steigt auf Platz 5 ein, bleibt später 7 Wochen auf Platz 1 und ist insgesamt 19 Monate in den österreichischen Album-Charts. Auch in Deutschland ist eine Top 10 Platzierung mit 60 Wochen und in der Schweiz eine Top 3 Platzierung mit 15 Wochen Charts-Aufenthalt drin. Es hagelt 5 x Platin in Österreich, 1 x Platin in Deutschland und 1 x Gold in der Schweiz. Dafür verantwortlich ist die Tatsache, dass 4 von 10 Songs zu Hits werden. Als erstes wird „Ba-Ba-Banküberfall“ als Single ausgekoppelt. Das Lied kann sich in Belgien, der Niederlande, Deutschland (für 16 Wochen) und Österreich in den Single-Charts positionieren. Die großangelegte „Geld oder Leben“-Tour führt nach Deutschland und Österreich.

Der erste Nummer 1-Hit der Band in Österreich wird im März als Single von „Geld oder Leben“ ausgekoppelt und heißt „Märchenprinz“.  Aber auch die Single „Heiße Nächte (in Palermo)“ und die fünfzehnte Single „Fata Morgana“ werden mit guten Verkaufszahlen belohnt. Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht, denn in diesem Jahr ist die Combo 246 Tage mit dem „Geld oder Leben“-Programm auf Tour und begibt sich im Zuge dessen u.a. für 2 Wochen in die DDR.

1987        Das erste Album der EAV, welches sofort auf Platz 1 einsteigt, erscheint. Auch in der Schweiz wird das Album bis zur Chart-Spitze klettern. Doch „Liebe, Tod & Teufel“ soll noch andere Rekorde brechen. Lange Zeit wird es als das meistverkaufte Album aus Österreich gelten. Die Verkäufe werden mit 6fach Platin in Österreich, 1 x Platin in Deutschland und Doppel-Platin in der Schweiz belohnt. Auch die erste Single „Küss die Hand, schöne Frau“ kommt rekordverdächtig gut an. In Österreich, Deutschland und der Schweiz hält sie sich jeweils über 20 Wochen in den Charts. In Deutschland erreicht der Hit die höchste Single-Platzierung, die die EAV je erreichen wird: Platz 2 – und wird dafür mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

 

1988        Mit kreativen Schlagzeilen wie „Ist das Eisen abgekupfert?“ präsentieren die Medien im Januar einen gar nicht so spektakulären Vorfall. Christian Bruhn und Günter Loose, Komponist und Texter von „Marmor, Stein und Eisen bricht“ sowie von ihnen angestachelt auch der Sänger des Liedes Drafi Deutscher bezichtigen die EAV der Urheberrechtsverletzung, da sie aus ihrem Hit im Refrain von „An der Copacabana“ zu viel verwendet haben sollen. Im Februar präsentiert die Erste Allgemeine Verunsicherung „An der Copacabana“ vor 20 Millionen Fernsehzuschauern bei „Wetten, dass…“. Auch die dritte Single-Auskopplung „Burli“ erscheint im ersten Halbjahr und erobert umgehend die oberen Ränge der Charts.

Jedoch entfacht sich um „Burli“ ein weiterer Skandal, da der Radiosender Bayern 3 das Lied auf den Index setzt und behauptet, dass der Text Behinderte beleidigen würde. Aus „Burli“ wird „Kurti“ und diese Umtextung beinhaltet eine offensive Kritik an dem damaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim. Im Winter folgt dann anlässlich des 10jährigen Band-Jubiläums das erste „Best-Of“ der EAV: „Kann denn Schwachsinn Sünde sein?“ als Doppel-LP. Es gibt auch eine gleichnamige Single – die 20. der Verunsicherung.

1989        Die EAV reist im Zuge der „Pinguin“-Tour ein letztes Mal in die DDR. Das Erlebte wird anlässlich des Mauerfalls im gleichen Jahr in der Single „Es steht ein Haus in Ostberlin“ verarbeitet. Außerdem erscheint der erste Live-Mitschnitt einer EAV-Show: „Echte Helden“, gefilmt während der Pinguin-Tour.

1990        Das siebte Studio-Album der Band „Neppomuks Rache“ erscheint im Frühjahr des Jahres und steigt auf Platz 1 in die österreichischen Charts ein – und hält sich dort ohne Unterbrechung ganze 14 Wochen. Die Single-Auskopplungen „Einer geht um die Welt“, „Samurai“, und „Ding Dong“ werden jeweils wochenlang in den Charts notiert.

Wieder ist die EAV zu Gast bei „Wetten, dass…“ und wieder verfolgen über 20 Millionen Zuschauer ihren Auftritt.

Doch „Neppomuks Rache“ ist ein spekulatives Album und erinnert kaum noch an die Herkunft der als Rock-Kabarett gegründeten Gruppe. Auch ist bei den vorangegangen Shows das öffentliche Hauptaugenmerk immer mehr auf Klaus als Entertainer und Massendompteur gefallen und die übrigen Künstler wurden in den Hintergrund gedrängt. Hinter den Kulissen ist es ähnlich: Schon seit 1987 schreibt Thomas Spitzer Texte, Lieder und das Programm weitestgehend allein und unter Ausschluss der Band. Grund dafür ist auch die räumliche Distanz – Thomas und Klaus hatten vor Kurzem Kenia als neue Wahlheimat für sich entdeckt. Dennoch kommt es überraschend als Mario Bottazzi wenige Wochen vor der größten Showproduktion der EAV, der Neppomuk-Tour, und am Höhepunkt des kommerziellen Erfolgs seinen Ausstieg aus der Band verkündet. In der Kürze der Zeit werden Keyboarder wie Polio Brezina („Drahdiwaberl“) ausprobiert, bevor ein Bekannter von Klaus zum Vorsingen erscheint. Andy Töfferl überzeugt mit diversen Parodien und einer überragenden Gesangsleistung und wird in die Band aufgenommen. Die Produktion gilt damals als die größte und aufwendigste die Österreich je gesehen hatte. Allein 5 Sattelschlepper fahren mit auf die dem Größenwahn geschuldete Tour bombastischen Ausmaßes, die später auch auf VHS („Neppomuk-Tournee 91“) gebannt wird.

1991        Der Höhepunkt des kommerziellen Erfolgs ist erreicht. Die Band, die sich einst gemeinsam auf Pilzsuche begab, um das Abendessen zu sichern und für Equipment zu sparen, kann nun auf dutzende Ehrungen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zurückblicken. Hinzu kommt der „World Music Award“ – die Erste Allgemeine Verunsicherung ist einer von zwei Interpreten aus Österreich, die je mit dieser Auszeichnung bedacht werden. Die erste neue Veröffentlichung dieses Jahres ist „Jambo“. Diese ironische Betrachtung des Sextourismus‘ und der damit verbundenen Beachboy-Kultur aus der neuen kenianischen Heimat von Thomas und Klaus ist in den Charts etwas weniger erfolgreich. „Watumba“, das achte Studio-Album, wird jedoch das fünfte Nummer 1-Album in Folge, verbleibt über 20 Wochen in den deutschen wie österreichischen Charts und kassiert 3 x Platin in der Heimat und Gold in Deutschland.

1992-1993       Die 27. und 28. Singles der Band erscheinen im Frühjahr, doch die Musiker aus Österreich sind nach 8 langen Jahren voller medialer Verpflichtungen, Tournee-Marathons, Studio-Sessions und den Begleiterscheinungen des Lebens von in Jugend- und Klatschmagazinen gefeierten Stars gezeichnet und nehmen sich eine zweijährige Auszeit.

1994        Im Dezember erscheint das neunte, später in Österreich mit Doppel-Platin ausgezeichnete, Studio-Album „Nie wieder Kunst“. Die Single „300 PS (Auto)“ ist die vorerst letzte welche sofort in die Top 5 der Charts einsteigt und sich über 3 Monate halten kann. Nicht nur die 80er, sondern auch die Ära des Ausnahme-Produzenten Peter Müllers ist vorüber. So ist ein Großteil der Nummern mit dem späteren Keyboarder David Bronner teils schon in Klaus‘ und Thomas‘ Wahlheimat Kenia aufgenommen worden. Das von Thomas selbstgebaute „Musungu Music Studio“ wird zum EAV-Studio.

1995        Nino Holm verlässt nach 18 Jahren die Band. Er prägte sie entscheidend mit; als Komponist, Keyboarder, Grafiker und legendärer Maskenbildner. Für ihn springt David Bronner auf der abermals sehr aufwendig produzierten Tour „Nie wieder Kunst“ ein. Doch der große kommerzielle Erfolg, der im vergangenen Jahrzehnt regelrecht zur Gewohnheit geworden war bleibt aus. Zudem hatte die fehlende Management-Erfahrung des Musiker-Kollektivs dazu geführt, dass auch die Merchandising-Firma der EAV Konkurs anmelden musste. In diesem Zustand der Hochverschuldung, in dem bei bandinternen Treffen mehr Anwälte als Musiker zugegen waren, entschloss sich auch Eik Breit die Band zu verlassen und andere Wege einzuschlagen.

1996        Auch Günther Schönberger zieht sich von der Verunsicherung zurück und wird zum Weinbauern. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten, dem Verlust der drei Mitglieder und der abnehmenden Popularität glaubt insbesondere Thomas Spitzer weiter an die EAV. Er allein übernimmt die Millionen-Schilling-schweren Schulden und setzt mit Klaus Eberhartinger die Arbeit an weiteren EAV-Projekten fort. Als neuer Musiker wird Kurt Keinrath engagiert. Er hatte bereits zuvor im Studio mit der EAV zusammengearbeitet.

1997        „Im Himmel ist die Hölle los“ kommt als zehntes EAV-Album auf den Markt und wird in Österreich mit Platin ausgezeichnet. Mit „Schau wie’s schneit“ und „Bongo Boy“ landen zwei humoristische Lieder in den Single-Charts. Federführenden Produzent ist abermals David Bronner. Im Studio spielt unter anderem auch Leo Bei, Bassist der Chefpartie von Kurt Ostbahn, einige Elemente ein. Für die sich in der Vorbereitung befindlichen „Himmel & Hölle“-Tour wird er als Live-Musiker genommen. Zudem wird Franz Zettl, Multiinstrumentalist, verpflichtet.

1998        Die „Himmel & Hölle“-Tour beginnt mit einer Katastrophe: Anders Stenmo spielt gegen das Anraten der Ärzte ein Konzert im Fieberwahn, weshalb er bedauerlicherweise einen Hörsturz erleidet. Flugs springt während der Tour Alex Deutsch ein. Wieder ist der Gesundheit des Schlagzeugers kein Glück beschert, denn Alex fällt aufgrund einer Lungenentzündung für die verbliebenen Konzerte aus. Nach Deutschland wird ein Freund von Leo Bei, Bertl Baumgartner, bestellt und übernimmt fortan als Schlagzeuger. Nicht weniger glücklich verläuft die Aufzeichnung eines der Konzerte: Die Front-Kamera fällt aus. Bis heute gibt es deshalb keinen offiziellen Mitschnitt dieser Tournee. Mit dem elften Studio-Album steuern Klaus und Thomas ihre EAV in seichteres Gewässer. Die Mehrzahl der Tracks von „Himbeerland“ sind mit Klaus Biedermann in Kenia produziert wurden. Überraschend wird der ironisch gemeinte Song „3 weiße Tauben“ zum Party-Hit und wird im Laufe der Zeit von diversen Interpreten gecovert.

1999        Nach der Parodie der Schlagerwelt sollen die Lieder mit weiteren Musiker-Kollegen adaptiert und entsprechend umgetextet werden. Während die Arbeiten für diese Kabarett-Platte stattfinden, verabschiedet sich das erste Jahrtausend der EAV-Geschichte.

2000        Unter dem Pseudonym „Klaus Eberhartinger & Die Gruftgranaten“ veröffentlicht die EAV die CD „Austropop in Tot-Weiss-Tot“, eine Sammlung diverser Cover und Imitationen und ein Ausflug in das Genre des Kabaretts. Die Plattenfirma wünscht sich jedoch ein weiteres Best-Of. Die Chance nutzend werden unzählige EAV-Hits und Klassiker in anderen Musikstilen ausprobiert oder gar umgetextet. Das Resultat ist „Let’s Hop“, welches mit einer Goldenen Schallplatte in Österreich versehen wurde und sich 16 Wochen in den Charts hält.

 2001        Andy Töfferl und Franz Zettl trennen sich von der EAV. Daraufhin wird Franz Kreimer angeheuert. In den kommenden zwei Jahren wird die dreizehnte Platte vorbereitet.

2003        Endlich ist es soweit. „Frauenluder“, das Album mit dem es zurück an das Wurzelwerk der Verunsicherung gehen soll, steigt auf Platz 1 der österreichischen Charts ein. Freunde der rockigeren Töne, des erdigen Appeals und der teils bitterbösen Texte kommen wieder auf den Geschmack. Das Cover und Booklet ist erstmals mit Malereien (nicht Zeichnungen) des Thomas Spitzer gestaltet. Zudem endet mit dieser Veröffentlichung die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der EMI Austria.

2004        Die EAV fühlt sich verpflichtet etwas zur Politik der Bush-Regierung zu sagen. „God Bless America“ wird als Single veröffentlicht und kann sich trotz politischen, bissigen Textes 15 Wochen in den Charts verzeichnen lassen.

2005        Mit Sony BMG findet die Band einen Partner, der gewillt ist das Jubliäum „100 Jahre EAV“ gebührend zu feiern. Die Plattenfirma ist davon zu überzeugen die Welt mit einem Doppel-Best-Of anzureichern. Tatsächlich müssen jedoch alle alten Hits und Klassiker neu eingespielt werden, da die Rechte zu jenen noch immer bei der EMI liegen. Das Jubliäumsalbum mit vier neuen Titeln („Coconut Island“, „Popstar“, „Ufo“ und „God Bless America“) wird zur Wiederbelebung auch des kommerziellen Erfolges. Rekordverdächtige 133 Wochen (Stand 2015) kann die Doppel-CD in den Charts aufscheinen. Zu diesem Best-Of zieht die EAV mit der „100 Jahre EAV“-Tour über 3 Jahre hinweg durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

2006        Die „100 Jahre EAV“-Show wird während des Konzertes in der Wiener Stadthalle auf DVD gebannt und erscheint im Februar dieses Jahres. Aufgrund des anhaltenden Verkaufs-Erfolges der Best-Of-Kompilation wird der Combo zum dritten Mal die Goldene Stimmgabel verliehen. Sie wird in Österreich mittlerweile mit Platin ausgezeichnet. Von dieser Erfolgswelle motiviert bringt nun auch die EMI ein Best-Of heraus. Die „Platinum Kolläktschn“ besteht aus 3 CDs und ist neben Hits auch mit diversen Raritäten gespickt.

2007        Mit der dritten Ausgabe der Jubiläums-CD wird der Gold-Status in Deutschland erreicht. Abermals gibt es 30 Konzerte mit diesem Programm. Auch ist die Produktion des nächsten Albums, welches ganz im Zeichen der Liebe stehen soll, in vollem Gange. Das Album „Amore XL“ erreicht gleich am Veröffentlichungstag Platin in Österreich und hält sich daraufhin 30 Wochen in den Charts.

2008-2009       Dieses Jahr bringt 60 Live-Konzerte mit der liebevoll gestalten „Amore XL“-Show. Nebst der Darbietung einer kaum bekannten Perle namens „Zwirch und Zwabel“ aus den alten Tagen, werden hauptsächlich Lieder des letzten Albums aufgeführt. Im Herbst veröffentlicht Sony BMG eine „XXL“-Version dieser CD und später noch eine „Deluxe“-Edition. Darauf enthalten sind zwei härtere Zusatz-Tracks. 2009 werden abgesehen von wenigen „Amore“-Konzerten vor allem viele Best-Of-Gigs im Sommer bestritten. Im Herbst geht es dann in die heiße Phase der Produktion zum 15. Studio-Album.

2010        „Neue Helden braucht das Land“ und die gleichnamige Single werden zu Jahresbeginn veröffentlicht. Die dazugehörige Tour wird über 40-mal in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Tschechien aufgeführt. Aufgrund der tollen Resonanz findet im Herbst eine Wiederholung der Tour statt. Thomas kündigt fortan seinen Rückzug von jeglichen Best-Of-Tourneen, Festival-Gigs und Gala-Events an. Mit anderen Worten: Alles was keine neue Showproduktion beinhaltet findet nicht mit ihm als Gitarristen statt. Er will sich so vermehrt auf das Komponieren und Texten neuer Lieder sowie auf die Malerei fokussieren. Als Ersatz dient auf der Bühne fortan Reinhard Stranzinger, welcher zuvor u.a. bei Supermax und Hubert von Goisern als Live-Musiker engagiert war. Im Weiteren erscheint die „Neue Helden in Graz“-DVD und dazu auch eine Live-CD.

 

2011 – 2014     Am Anfang des Jahres gibt es wieder eine Tournee. Inoffizieller Titel ist „Neandertal“-Tour, da im Gegensatz zu anderen Best-Of-Einzelkonzerten extra ein neues Bühnenbild und mehrere neue Songs sowie ein frisches Rahmenprogramm entwickelt wurden. Für 2014 kündigt Klaus dann aber eine Konzertpause an, da auch er sich auf anderweitige Projekte seiner erfolgreichen TV- und auch Schauspielkarriere („Dancing Stars“, „Watzmann“) konzentrieren will. Bald darauf macht Leo Bei via facebook Schluss und verlässt nach 17 Bühnen-Jahren die Verunsicherung. Ende dieses Jahres stehen bereits die Termine für die nächste Tour fest. „Werwolf-Attacke“ soll sie heißen und ein Album dazu wird es auch geben.

2015-2016                Die EAV macht ihre Drohung wahr und beschießt die Welt mit einem Dreierlei an Werwolf-Attacken. Denn nicht nur als CD oder mp3 müssen die rockigen, monströsen Songs zu haben sein; nein, auch auf Vinyl! Bei den Vorbereitungen zur Tour wird Thomas von dem alten Weggefährten und Künstler Nino Holm unterstützt. Wie anno 1979 zeigt er sich für die grässlichsten, schrägsten Masken verantwortlich. Erstmals gibt es während des Konzerts von Thomas gezeichnete Comics (und Videos) auf einer LED-Wall zu sehen. Nebenbei ist die Suche nach einer neuen Rhythmus-Sektion geglückt: Robert Baumgartner wird von Aaron Thier („Tokyo“) ersetzt und am Bass spielt fortan das jamaikanische Groove-Genie Alvis Reid. Die „Werwolf-Attacke“-Show wird über 40-mal gezeigt und bekommt teils großartige Kritiken. Auch das Album bekommt nach einem knappen Monat Platin in Österreich und hält sich beinah ein halbes Jahr in den Charts. Ein Jahr später legt die Verunsicherung gewaltig nach: Erneut tourt Klaus Eberhartinger mit den Musikern und Ersatzgitarrist Reinhard Stranzinger durch die deutschsprachigen Länder und zeigt fast 30-mal ein Best-Of-Programm. Währenddessen kehrt Thomas Spitzer zurück ins kenianische Studio und durchwühlte eingestaubte Kartons und Kisten um einen lang gehegten Wunsch in die Realität umzusetzen. Ein Raritäten-Album, eine Potpourri an nie veröffentlichten Liedern aus dem EAV-Fundus, soll zusammengetragen werden. Am 21.10.2016 war es dann endlich der Öffentlichkeit möglich die Platte zu erwerben und selbst zu beurteilen ob ausgewählte Altlasten zu Recht oder zu Unrecht nicht früher den Weg auf ein Album der Verunsicherung fanden.

Direkt im Anschluss an die Produktion des Raritäten-Albums „Was haben wir gelacht“ reist Thomas Spitzer nach Berlin und unterstützt den jungen, aufopferungsvollen Rock-Kollegen Harald-Ingemar Noiges beim Mischen des Live-Videomitschnitts von dem Werwolf-Konzert in Tuttlingen. Am 3. Februar 2017 erscheint dann schlussendlich das Ergebnis der vielen Mühen: Die Werwolf-Attacke-Live!-DVD ist fortan im gut sortierten Handel erhältlich.

2018 -2019       Am 28. September 2018 wird mit „Alles ist erlaubt“ das nunmehr letzte Studio-Album der Verunsicherung erscheinen und die 40-jährige Band-Geschichte 2019 mit einer großen Abschiedstournee durch 36 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz beendet. Am 22. Juni 2018 veröffentlich die Band die erste Single aus dem Album „Trick der Politik“. Der „Trick der Politik“ der österreichischen Satiriker beschreibt gewitzt die Wahlkampfversprechen und Taktiken der Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker. Das zugehörige Lyrics-Video führt die Tradition trashiger EAV-Clips bestens fort. Die filmische Umsetzung zum „Trick der Politik“ ist eine parlamentarische Posse in 3 Legislaturperioden. Ein Puppenspiel zum Thema: Politiker, Zauberer und andere faule Eier.


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